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MODERNES LEBEN Mercedes in der Grauzone

aus DER SPIEGEL 31/1992

Für das neue Automobilwerk von Mercedes-Benz im baden-württembergischen Rastatt wird auf getürktem Umweltschutzpapier geworben. Eine großformatige Beilage deutscher Tageszeitungen (Textprobe: »Was der Mensch auch unternimmt - er verbraucht Rohstoffe und belastet seine Umwelt") ist als »gedruckt auf 100 Prozent Altpapier, chlorfrei recycled« ausgewiesen. Nach Meinung von Experten des Verbands Deutscher Papierfabriken in Bonn ist das eine zweifache Irreführung. Tatsächlich stammt der Rohstoff nicht aus Altpapiersammlungen; und das Umweltgift Chlor wird ohnehin nur zur Bleiche von Zellstoff bei der Herstellung (und nicht etwa beim Recycling) eingesetzt. Um das über 1,5millionenmal verteilte Faltblatt auf Umweltschutzpapier zu trimmen, wurde ein Grauschleier auf das weiße Papier gedruckt. Die verantwortliche Werbeagentur Springer & Jacoby rechtfertigt den künstlich erzeugten Öko-Look mit den Wünschen des Auftraggebers. »Zur Identity von Daimler-Benz gehört das Hintergrund-Grau.«

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