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Briefe

MILCHKUH
aus DER SPIEGEL 52/1970

MILCHKUH

(Nr. 51/197O, Titel über »Durfte Brandt knien?")

Angemessen oder übertrieben? Die Fragestellung ist nicht richtig. Auch eine übertriebene Handlungsweise muß nicht falsch sein.

Köln ERNST GOEBEL

Der Kniefall des Bundeskanzlers hat in der Weltgeschichte nur eine Parallele: den Canossagang Heinrichs IV. im Jahre 1077.

Berlin WALTER RUPPEL

Da kniet der deutsche Judas vor den Polen, der langsam, aber sicher ganz Deutschland verkaufen wird.

Bremen FRANZ ORLOWSKI

Willy Brandt durfte in Warschau knien. Die das infrage stellen, dürfen nicht in Warschau knien.

Trautheim (Rhld.-Pf.) JOHANNA SCHIFFERS

Die Polen werden beim Anblick des knienden Bundeskanzlers an das Wort des großen britischen Premiers Churchill erinnert worden sein: »Die Deutschen hat man entweder an der Gurgel -- oder auf den Knien!«

Hamburg GEORG WALTER

Brandts Geknie vor dem Warschauer Judendenkmal ist der Witz des Jahres (makabrer Witz) insofern, als in der Nachkriegszeit die Polen unnachsichtig das Jüdische Volk, oder was davon übrigblieb, verfolgten und aus dem Lande ausgewiesen haben.

Limburg (Hessen) ALFRED HILGERT

Der Kniefall von Bundeskanzler Brandt wirkte um so eigenartiger angesichts der Tatsache, daß er in seiner Rede zum 25. Jahrestag der Kapitulation nicht ein einziges Wort für die drei Millionen Gefallenen seines eigenen Volkes gefunden hat, Das kann kein Zufall sein, denn alle anderen Opfer des Krieges wurden gebührend erwähnt. Kein Regierungschef, rund um die Welt, würde sich eine solche Taktlosigkeit gegen seine Landsleute leisten. Mit diesem Verhalten hat er sich als deutscher Kanzler disqualifiziert, auch wenn er während des Krieges auf der anderen Seite gestanden hat, Diese Bemerkung glaube ich meinen gefallenen U-Boot-Kameraden schuldig zu sein.

Hamburg Dr. Med. HANS BUCHHOLZ

Bei aller Anerkennung eines aus dem letzten Kriege bestehenden Wiedergutmachungssaldos Gesamtdeutschlands gegenüber Polen hat ein westdeutscher Teilstaat keine Veranlassung, in Rechtsverletzungen anerkennender Weise auf sowjetisch-polnische Totalforderungen einzugehen, die sogar noch über die -- wie wir alle wissen -- sehr leichthändig und unüberlegt erfolgte vorläufige Grenzregelung des Potsdamer Abkommens hinausgehen.

Bonn PAUL ASUGA

Schade, daß man als »Normalbürgerin keine Möglichkeit hat, den Bundeskanzler wissen zu lassen, wieviel Mühe man sich gibt, als Heimatvertriebene (das bin ich nämlich!) für seine Politik Verständnis zu entwickeln, sogar zu erkämpfen.

Berlin ELEONORE MOHR

Ich frage mich nur, wann wird Herr Brandt das übrige Deutschland wegschenken -- wir möchten auch Schleswig-Holstein und ein bißchen mehr Land haben. Es wird wohl kommen, Herr Brandt ist ja sehr großzügig. Eine Schande ist es. An was denkt Ihr? Deutschland ist Milchkuh für die ganze Welt geworden.

Aarhus (Dänemark) H. LAMMERS

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