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MAI-DEMO Militantes Jubiläum

aus DER SPIEGEL 8/1997

Die Autonomen planen zum diesjährigen Mai-Feiertag einen militanten Aufmarsch der linksradikalen Szene in der Hauptstadt, quasi auch als zehnjähriges Jubiläum der gewalttätigen Krawalle am 1. Mai 1987 in Berlin-Kreuzberg. Unter dem Motto »Widerstand braucht Kontinuität« ruft die autonome Antifaschistische Aktion/Bundesweite Organisation (AA/BO) zu einem Protestmarsch, der von der Berliner Mitte in den Bezirk Prenzlauer Berg führen soll.

Die AA/BO appelliert an ein »breites linkes Spektrum« von Anti-Atom-Initiativen bis zu anarchistischen und kommunistischen Gruppen, ihre »Ablehnung gegenüber dem bestehenden System« und ihren »Willen zur Umwälzung« auszudrücken.

Am 1. Mai vergangenen Jahres endete eine Demo von mehr als 10 000 Teilnehmern in Ost-Berlin am Kollwitzplatz in einer wilden Straßenschlacht, bei der 4500 Polizisten im Einsatz waren. Bei der Vorbereitung für die diesjährige Mai-Demo gibt es heftigen Streit zwischen West-Berliner Linksradikalen, die auch stalinistische Gruppen einbeziehen wollen, und Ost-Berliner Autonomen. Die Ost-Anarchos werfen den West-Kadern vor, »in fremde Kieze einzufallen«. Sie verspotten die von den West-Linken geplante Demo als »folkloristische Vorführung mit den Gulag-Aufsehern von morgen«, die »mit konkreter emanzipatorischer Politik nichts zu tun« habe.

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