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EUROPA Millionen für Tabakbauern

aus DER SPIEGEL 22/2008

Vergangene Woche ist das bizarre Brüsseler Subventions-Kabarett um eine Pointe reicher geworden. Seit Jahren kämpfen die EU-Parlamentarier mehrheitlich für ein »rauchfreies Europa«. Sie wollen sogar die Tabakindustrie für die Schäden in Haft nehmen, die ihre Produkte anrichten. Doch nun haben sie beschlossen, den Tabakanbau weiter zu subventionieren, und zwar bis 2012 mit jährlich bis zu 338 Millionen Euro. Kaum ein anderes Agrarprodukt wird derart üppig aus der Steuerkasse bedacht. Ohne die Millionenspenden aus Brüssel hätten Europas Tabakbauern gegen die Konkurrenz aus Brasilien, Indien oder Argentinien keine Chance. Um also »schwerwiegende negative Auswirkungen« in den betroffenen Regionen zu vermeiden, so heißt es in der Begründung des Beschlusses, soll die seit langem umstrittene Tabakbeihilfe, die eigentlich im kommenden Jahr auslaufen würde, in aller Stille neu aufgelegt werden. Um ihr gesundheitspolitisches Profil damit nicht zu gefährden, dachten sich die EU-Parlamentarier noch einen PR-Gag aus: Fortan sollen nun sechs statt fünf Prozent der Tabakhilfen abgezweigt werden - zur Finanzierung von Informationskampagnen »über die schädlichen Auswirkungen des Rauchens«.

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