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Regierungsbunker Millionen vergraben

aus DER SPIEGEL 48/1996

Auch sechs Jahre nach dem Ende der Konfrontation zwischen West- und Ostblock wird unter strenger Geheimhaltung weiter in den atombombensicheren Regierungsbunker im Ahrtal bei Bonn investiert: Versteckt im Etat des Innenministers, sind im Haushaltsentwurf '97 gut 25 Millionen Mark für laufenden Unterhalt und Renovierung der »Dienststelle Marienthal« ausgewiesen.

Die Mittel, über die das für Geheimausgaben zuständige Vertrauensgremium des Haushaltsausschusses befindet, sind Teil des 200-Millionen-Programms, mit dem CDU-Innenminister Manfred Kanther den Bunker innerhalb von zehn Jahren auf den neuesten Stand bringen will. Unter den Rotweinhängen rund um den Trotzenberg sollen Exekutive und Notparlament im Kriegsfall Unterschlupf finden; die Vorräte reichen für zwei Jahre. Der letzte Test erfolgte zur Nato-Übung »Wintex 89«.

Angesichts des bevorstehenden Umzugs in die ferne Hauptstadt Berlin, schimpft Bundestagsvizepräsident Burkhard Hirsch (FDP), seien diese Ausgaben »der größte Schwachsinn, der zur Zeit irgendwo in deutsche Erde vergraben wird«.

»Überflüssig wie ein Kropf« nennt SPD-MdB Uta Titze-Stecher, Mitglied im Vertrauensgremium, das Beton-Monstrum. Gegen die Union konnte sich ihr FDP-Kollege Wolfgang Weng aber nicht einmal mit dem Vorschlag durchsetzen, die Gelder künftig wenigstens offen im Haushalt auszuweisen.

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