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MODERNES LEBEN Minimaler Irrsinn

aus DER SPIEGEL 38/1992

Charlie Manson gilt als der eigenwilligste Textinterpret der Popgeschichte: Im LSD-Wahn glaubte er, in den Beatles-Stücken »Helter Skelter« und »Revolution No. 9« geheime Mordbefehle zu erkennen. Charles Mansons kryptischer Irrsinn inspirierte den Minimal-Komponisten John Moran, 27, zur Oper »The Manson Family«. Nach der Premiere vor zwei Jahren im New Yorker »Lincoln Center Serious Fun« schrieb ein ängstlicher Kritiker, er hoffe, »daß man den Verstand hat, Moran vom Publikum fernzuhalten«. Die Helden der Oper (deren europäische Erstaufführung noch aussteht, die aber jetzt als CD bei Point Music erscheint) sind jene amoklaufenden Blumenkinder der Manson-Kommune, die im Sommer 1969 sieben Menschen bestialisch abschlachteten, darunter Sharon Tate, die Frau Roman Polanskis. Das düstere Musikwerk ist dennoch keine Blutspritz-Oper geworden - eher eine schwarze Messe und ein Mysterienspiel, in dem die Beatles als die vier Engel der Apokalypse auftreten und Manson als Vollstrecker des Jüngsten Gerichts.

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