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Briefe

»Miss Wirtschaft«
aus DER SPIEGEL 21/1990

»Miss Wirtschaft«

(Nr. 19/1990, SPIEGEL-Titel: DDR - Die Wirtschaft vor dem Kollaps)

Es lebe die D-Mark . . . aber wie kommt man ran? *UNTERSCHRIFT: Campione (Schweiz) GÜNTER LAUKE

In der Miss-Wahl der Industrieländer hat die DDR gewonnen. Sie darf sich jetzt »Miss Wirtschaft« nennen. *UNTERSCHRIFT: Berlin CHRISTIANE SEIFFERT

Wohlstand gibt es nicht zum Null-Tarif, sondern muß erarbeitet werden. *UNTERSCHRIFT: Borken (Hessen) MANFRED LEUSCHNER

Auch wenn Lothar de Maiziere einen physiognomischen Test auf seine Redlichkeit im Gegensatz zu einigen unserer Politiker sicher blendend bestehen würde, ich sehe leider keinen in der DDR, der die jetzt anrollenden Geldwechsler in altchristlicher Weise aus dem Tempel jagen würde. Ob man sich die »Freiheit« (sic) wohl so vorgestellt hat??? *UNTERSCHRIFT: Hannover ALFRED ERBLICH

Ein Volk in Panik. Lachhaft! Wenn am 2. Juli die DDR-Bürger harte D-Mark in Händen halten, dann werden sie vor leeren Geschäften stehen, denn die marode DDR-Wirtschaft produziert ja nicht genug, sie werden japanische Hi-Fi-Geräte kaufen, bundesdeutsche Pkw, ungarische Salami, französischen Champagner und wirkliches, bayerisches Bier! Der satte und selbstgefällige Bundesbürger, der noch nicht richtig gemerkt hat, was da auf ihn zukommt, wird dann die ganze Sause bezahlen! Wenn jemand ein moralisches Recht auf Panik hat, dann sind wir das! *UNTERSCHRIFT: Mainbernheim (Bayern) WOLFGANG KRISTEN

Das gemeine Attentat der Bundesregierung auf die D-Mark trifft doch in erster Linie uns im Westen.

Ludwig Erhard hätte sich im Grabe umgedreht, wenn er hätte mitansehen müssen, wie bedenkenlos sein Nachfolger Kohl die D-Mark vor die Hunde gehen läßt. *UNTERSCHRIFT: Frankfurt/Main MICHAEL APP

Man kann wirklich nur an die Konsumenten in der DDR appellieren, auch weiterhin Waren aus eigener Produktion zu kaufen und nicht noch an dem Ast zu sägen, auf dem sie sitzen. Sollte dies nichts bringen, so müßte der Markt der DDR gesetzlich geschützt werden. Den westlichen Unternehmen dagegen muß man die Frage stellen, wo denn ihr Mut zu unternehmerischem Risiko geblieben ist. Nur wenn auch massiv in der DDR investiert wird, bleibt dieser Markt auf Dauer erhalten. *UNTERSCHRIFT: Grebenstein (Hessen) RAINER DEGETHOFF

Der Zusammenbruch muß nicht sein. In der ganzen Welt werden entwicklungsbedürftige Volkswirtschaften durch wirtschaftspolitische Maßnahmen temporär geschützt. Für alle Neumitglieder der EG wurden stets Übergangsregelungen vereinbart. Unterläßt die DDR dies, muß sie mit Millionen Arbeitslosen rechnen, mit allen seelischen und materiellen Folgen. Eine vernünftige Wirtschaftspolitik erscheint mir erstrebenswerter als die Zahlung großer Summen Arbeitslosengeld durch die Nürnberger Bundesanstalt. *UNTERSCHRIFT: Burscheid (Nrdrh.-Westf.) KARL FELIX TISCHLER

Ihre journalistischen Einsichten sind richtig. Wie aber können sie es erkennen dort, wo vor lauter Marx-Monumenten, Leninplätzen und Zetkinstraßen nach 40 Jahren niemand mehr weiß, wo er längsgehen soll? Wer kann es denen klarmachen hier, wo Geldzählen Trumpf ist? Das lernt sich von selbst. Es ist auch keine Leistung. Kein Kohl, kein Waigel, kein Lafontaine, kein Willy und kein Wunder haben je eine DDR aus verschlammter Brache geholt. Schäumende Bugwellen helfen nicht, wenn nur Papierschiffe folgen. *UNTERSCHRIFT: Worpswede GERD SAFFE

Nach Ihrer Lagebeschreibung der DDR-Wirtschaft und der zu erwartenden Katastrophe nach der Währungsumstellung kann man wohl prognostizieren, daß Herr Kohl seinen Glorienschein verlieren wird, den ihm die Wende eingebracht hat. Damit werden auch seine Chancen schwinden, die Dezember-Wahl zu gewinnen. *UNTERSCHRIFT: Lindenfels (Hessen) KARL KEUTLER *BRIEFE *ÜBERSCHRIFT:

Verrat an Deutschland? *EINLEITUNG: (Nr. 19/1990, Staatsbesuche: von Weizsäckers Kritik an Kohl) *

Mit unsäglicher Empörung erfuhr ich von den abscheulichen Verbrechen dieser Nazis - auf der Westerplatte, in Treblinka, in Warschau . . . und ich freute mich doch recht von Herzen, daß wir es nicht gewesen waren, weder Wessis noch Ossis noch Austris. Es waren damals die Nazis, wahrscheinlich Unholde von einem anderen Stern. *UNTERSCHRIFT: Hilden (Nrdrh.-Westf.) DR. GERD HEISTERÜBER

Ich melde meinen Kopf frei von dem Gedanken, daß Ostpreußen, Pommern oder Schlesien einmal deutsch gewesen sind. Geschichtsbücher oder Atlanten, die das bezeugen, müssen Fälschungen sein. Ich kenne nur noch einen Gedanken und sei es, daß ich damit dem Recht - von dem ich immer viel gehalten habe - nicht entspreche: Die Westgrenze Polens liegt an Oder und Neiße, Stettin eingeschlossen. Tannenberg/Grunwald hat es weder 1410 noch 1914 gegeben. Ein Philosoph namens Kant kann nie und nimmer in einem Königsberg geboren sein. Ich weiß jedoch, daß ich 1939 (mit zwölf Jahren) Polen überfallen habe. Ich habe von Stalin nie gehört. Ich weiß aus christlicher Erfahrung, daß Geben seliger denn Nehmen ist. Aber wie's da drin aussieht, geht auch den Herrn Bundespräsidenten nichts an. *UNTERSCHRIFT: Hannover INGO GÜNTHER

Die von Weizsäckersche Mission nach Polen war sicher keine einfache. Daß aber unser »Schöne-Worte-Präsident« nicht einen halben Tag für einen Kurzbesuch in Schlesien aufbringt, ist kläglich. Damit desavouiert er sich selber. Die dort verbliebenen älteren Deutschen, die immerhin wie Herr von Weizsäcker im Deutschen Reich geboren sind und die in den letzten 40 Jahren erheblichen Drangsalierungen ausgesetzt waren, sind auch heute, trotz KSZE, immer noch nicht im Besitz der elementaren Menschenrechte. Diese Deutschen hätten ein Zeichen der Verbundenheit verdient. Diese Auslassung ist eines deutschen Präsidenten unwürdig! *UNTERSCHRIFT: Dorsten (Nrdrh.-Westf.) DR. MED. RAINER KÖHL

In einer feierlichen Erklärung des Deutschen Bundestages vom 13. Juni 1950 heißt es: »Gemäß dem Potsdamer Abkommen ist das deutsche Gebiet östlich von Oder-Neiße als Teil der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands der Republik Polen nur zur einstweiligen Verwaltung übergeben worden. Das Gebiet bleibt ein Teil Deutschlands. Niemand hat das Recht, aus eigener Machtvollkommenheit Land und Leute preiszugeben oder eine Politik des Verzichts zu treiben.« Wenn der Bundespräsident bei seinem Staatsbesuch in Polen erklärte: »Die heutige Westgrenze Polens bleibt unangetastet«, so verstößt er nicht nur gegen die immer noch gültige Erklärung des Bundestages, sondern er ist auch bereit, ohne dazu legitimiert zu sein, 108 000 Quadratkilometer Land, das seit mehr als 700 Jahren von deutschen Menschen besiedelt war, ohne jede Gegenleistung, an die Polen zu verschenken. Viele Millionen Deutsche sind mit diesem Verrat an Deutschland nicht einverstanden! *UNTERSCHRIFT: Ronnenberg (Nieders.) ALBRECHT HAUNSCHILD *BRIEFE *ÜBERSCHRIFT:

Nur noch Hand auflegen! *EINLEITUNG: (Nr. 18/1990, Pharmaindustrie: Behördengenehmigung für ein Killer-Präparat) *

Wir werden unserem nächsten Patienten mit Nieren- oder Gallenkoliken kein Schmerzmittel geben, sondern ihm statt dessen Ihren Artikel in die Hand drücken - bei dieser Lektüre soll er abwarten, bis der Schmerz von selbst verschwindet. *UNTERSCHRIFT: Hannover PROF. DR. MED. MICHAEL R. GAAB

Ich stelle mir vor, ein Mensch mit Nierenstein sucht meine Hilfe: Bei einigen Pharma-Kritikern hätte ich da wenig Zweifel: Dem Bergprediger Franz Alt zum Beispiel würde ich stilles Gebet empfehlen; alternativ die Methode Coue (Selbstheilung ist möglich). Des polemischen Medizin-Journalismus derzeit liebstem Kind, dem Medienmatador Möbius, könnte ich kein wie immer geartetes Mittel anbieten; der kennt nur Killerdrogen und würde deshalb freudig für seine Überzeugung leiden. Was aber mache ich mit einem SPIEGEL-Autor, der sich vor Schmerzen krümmt; soll ich das Konkrement in situ belassen? An einer Nierenkolik stirbt man ja nicht. Soll ich dem armen Kerl - die Metamizolspritze in Sichtweite - die Beipackzettel etwaiger Alternativen vorlesen? In Ruhe selbstverständlich, damit er sich ein mündiges Urteil bilden kann. Morphium zum Beispiel tut's ja immer! Ein millionenfach bewährtes Uraltmedikament vom Markt zu schreiben wird schon noch gelingen! Bald heilen wir, Hippokrates und somit zum Tun verpflichtet, nur noch mit Hand auflegen. *UNTERSCHRIFT: Darmstadt DR. MED. ANNE STRIEGLER

Unsere Tochter bekam 1981 im Alter von elf Jahren nach der Einnahme von Novalgin einen chronischen Blutplättchen-Mangel (Morbus-Werlhof). Innerhalb von wenigen Tagen fielen die Thrombocytenwerte von 280 000 auf 5000 pro cbmm. Aufgrund starker Blutungsneigung entstand eine bedrohliche Situation. Das Blutungsrisiko war erst nach etwa sechs Monaten einigermaßen gebannt. Noch heute (nach neun Jahren) liegen die Thrombocytenwerte etwa 25 Prozent zu niedrig. Wir fragen uns, warum wird Novalgin hier noch verkauft, wenn es in anderen Ländern bereits verboten ist? *UNTERSCHRIFT: Mühlacker (Bad.-Württ.) DR. ING. F. HEINRICH LEHN

Es gibt kein wirksames pharmazeutisches Präparat ohne Nebenwirkungen. Auch unsere Lebens- und Genußmittel haben diese. Schließlich ist das ganze Leben gefährlich. *UNTERSCHRIFT: Heidelberg PROF. DR. MED. HANS ISELE *BRIEFE *ÜBERSCHRIFT:

Die Zeit ist reif *EINLEITUNG: (Nr. 19/1990, Automobile: Elektroauto - der Jahrhundert-Traum) *

Ihr Artikel ist angesichts der Klimakatastrophe verantwortungslos. Die durchschnittliche Autofahrt zum Arbeitsplatz ist weniger als zehn Kilometer lang. Zumindest als Zweitwagen ist daher das Elektroauto absolut konkurrenzfähig. Und wie viele haben zwei Autos? Und wie viele haben ein Hausdach, das mit Solarzellen für die »Betankung« ausgerüstet werden kann? Rechnet man die Investitionen auf einen längeren Zeitraum um, ist sogar die echte Solarbetankung wirtschaftlich! *UNTERSCHRIFT: Freiburg JÖRG NATHUSIUS

Man könnte meinen, Sie besäßen Aktien bei Mercedes und BMW.

Daß Letztere (noch) keine Freude am Solar-Elektromobil haben, ist verständlich. Sie wollen eben das gegenwärtige Geschäft mit den stinkenden Benzin- und Dieselkutschen so lange wie möglich aufrechterhalten, auch wenn Luft und Umwelt draufgehen, von den Menschen gar nicht zu reden. Spätestens dann, wenn die großen städtischen Agglomerationen im Verkehrsgestank und -dreck ersticken - beim Smog in Los Angeles und Mexico-City ist es bereits zehn nach zwölf! -, werden Sie gezwungen sein, eine andere Einstellung gegenüber dem »technischen Lunapark«, wie Sie die Solarmobile Pinguin und Sulky despektierlich benennen, an den Tag zu legen.

Übrigens: Die heutige Generation dieser Mobile ist für Pendler- und Park-and-Ride-Verkehr bestimmt, nicht für Ferienreisen nach Sizilien oder Hammerfest! *UNTERSCHRIFT: Aesch (Schweiz) DR. JACQUES DREYER Präsident der Regionalgruppe Sonnenenergie Basel

Da der Trend in unserer Gesellschaft ohnehin zum Zweit- und Drittwagen geht, ist es nicht absurd, wenigstens die Fahrten innerhalb der Städte mit einem kleinen, umweltfreundlichen Fahrzeug zu unternehmen, da ja anscheinend die Hälfte der Automobilbesitzer gar nicht daran denkt, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Alle Versuche, aus unserem Autodesaster auszusteigen, sollten jedenfalls sehr ernst genommen werden. Alternativen Antrieben muß wenigstens die gleiche Chance zur Weiterentwicklung und Produktion gegeben werden, wie sie der Benzinmotor bis zur heutigen »Reife« bekommen hat. *UNTERSCHRIFT: München CHRISTINE HARTL

Haben Sie schon einmal bedacht, wie Strom erzeugt wird? Ich frage mich deshalb ernsthaft: Wissen Sie nicht, daß bei der Verbrennung von Kohle zum Beispiel CO2 (Treibhauseffekt) und SO2 entsteht? Oder wollen Sie den gesamten Strom mittels Kernkraftwerken erzeugen? Für mich ist das Argument der Luftreinhaltung mittels Elektroautos absolut nicht nachvollziehbar! *UNTERSCHRIFT: Haßloch (Rhld.-Pf.) STEFAN KREBS

Einer Teilauflage dieser SPIEGEL-Ausgabe ist ein Prospekt der Gardena GmbH, Ulm, beigeklebt. Eine Teilauflage dieser SPIEGEL-Ausgabe enthält eine Beilage der Salzburger Land GmbH, Salzburg, der Spektrum der Wissenschaft Verlags GmbH, Heidelberg, sowie der TransAtlantik Verlagsgesellschaft mbH, Hamburg.

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