Zur Ausgabe
Artikel 76 / 78
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Briefe

Mit äußerster Sorge
aus DER SPIEGEL 43/1977

Mit äußerster Sorge

(Nr. 41/1977, Sowjet-Union: Auszüge aus Berichten des Bonner »Iswestija«-Korrespondenten Nikolai Poljanow, vormais Erster Stellvertretender Chefredakteur der »Iswestija«, in der Regierungszeitung und im Funktionärsorgan »Kommunist«.

Die Auszüge seien das »Deutschlandbild«, das ich den Sowjetlesern vermittle. Diese Behauptung trifft, gelinde gesagt, nicht zu. Schon im Untertitel meines Artikels »Schwarze Raben« wird betont, es handle sich ausschließlich um Aktivitäten von neonazistischen Organisationen in der BRD, über die unter anderem auch maßgebende Politiker dieses Landes sowie Fernseh- und Presseorgane berichten.

Abgesehen von der sehr »freien« SPIEGEL-Übersetzung, wurden wichtige Feststellungen der beiden Artikel verschwiegen. Etwa folgende: »Man sollte nicht daran zweifeln, daß die Mehrheit der Westdeutschen nicht will, daß der Faschismus wiederkehrt« ("Iswestija"); »die öffentliche Meinung in der BRD ist nicht auf der Seite der Gegner der Entspannung« ("Kommunist").

In einer Fußnote bezweifelt der SPIEGEL die Richtigkeit meines Berichtes über eine in militanter Aufmachung durchgeführte neonazistische Demonstration vor dem Nürnberger Rathaus. Die erwähnten Tatsachen könnten Sie im »Stern« Nummer 27/1977 nachlesen. Übrigens die krassesten Beispiele über neonazistische Umtriebe habe ich dem SPIEGEL entnommen, was auch korrekt in meinem Artikel erwähnt ist.

Und schließlich: Die Aktualität meiner Ausführungen bestätigt der SPIEGEL in derselben Nr. 41/1977 mit einem Bericht über neonazistische Umtriebe in der Bundeswehrhochschule. Und das ist gut so. Zeigt es doch von neuem: Die rechtzeitige Aufdeckung und Entschärfung des Neofaschismus liegt im Interesse der Bundesrepublik sowie der Sowjet-Union und aller Völker. Weshalb meine Landsleute mit äußerster Sorge die Szene beobachten, ist verständlich: Hitler hat mit noch kleineren Formationen angefangen, und die Sowjet-Union hat mehr als 20 Millionen Menschen im Kriege verloren. Darum frage ich: Ist eigentlich der Sache mit einseitigem Zitieren gedient?

Bonn DR. N. E. POLJANOW Büro »Iswestija«

Zur Ausgabe
Artikel 76 / 78
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.