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Mit Busen, Pop und Agit-Prop

aus DER SPIEGEL 39/1972

wollten Essener Unternehmer ihr Image bei der Kohlenpott-Jugend aufpolieren -- der Ausgang blieb zweifelhaft. Unter Regie der Kölner Werbeagentur Robert Putz trat die Arbeitgebervereinigung auf Plakaten zunächst 40 Tage lang für »Freie Wirtschaft: Freies Leben« ein. Erster Mißerfolg: Die Werbeflächen wurden nachts mit Gegenparolen überklebt (M.). Höhepunkt der 50 000-Mark-Aktion (Arno Jochums, Essener Arbeitgeber-Vorsitzender: »Ein Beitrag zur Entwicklung kritischen Denkens") war schließlich ein Free-Concert in der Grugahalle -- doch Flugblätter von Jugendorganisationen (Textprobe: »Sie sagen Pop und meinen Profit"), Anti -Transparente (u. l.) oder eine Puppe mit Schweinskopf als Symbol des Arbeitgebers (r.) brachten die rund 8000 Zuhörer in Wallung: Als die Pop-Gruppe »Wind« das Konzert eröffnete, hagelte es Konservendosen, Stink- und Wasserbomben. Erst die englische Band »Hawkwind« konnte »die aggressive Stimmung in stürmische Begeisterung umwandeln« und -- so eine Pütz-Presseinformation: »Vollends entpolitisiert wurde die Atmosphäre durch die Darbietung eines zu der Gruppe gehörenden ... Go-Go-Girls (o. l.) mit einem gewaltigen Busen. Als der Auftritt der nackten Dame beendet war, stand kein Transparent mehr.«

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