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Mit der Lufthansa ins Reich der Mitte?

aus DER SPIEGEL 43/1977

Zum höheren Ruhm der Bundesrepublik Deutschland möchte das Bonner AA die Lufthansa nach Peking fliegen lassen. Auf Drängen der Diplomaten reiste Lufthansa-Chef Herbert Culmann vergangene Woche mit Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher in die chinesische Hauptstadt, um sich an Ort und Stelle über die Möglichkeiten einer Einbeziehung Pekings in das weltweite Streckennetz der Fluggesellschaft zu informieren.

Genschers Beamte argumentieren, schon aus außenpolitischen Gründen müsse die zweitgrößte Handelsnation der Welt mit ihrer Luftlinie im volkreichsten Land der Erde vertreten sein, dessen internationales Gewicht ständig zunehme.

Doch Lufthansa-Culmann sperrt sich gegen den Bonner' Linien-Wunsch. Das Passagier- und Frachtaufkommen auf dieser Strecke, so sein Argument, sei so gering, daß ein wirtschaftlich vertretbares Ergebnis nicht zu erwarten sei.

Hinzu kommen technische Gründe. Ihren Fernost-Flugbetrieb auf der Süd route hat die Lufthansa mittlerweile auf Großraumflugzeuge vom Typ Boeing 747 und DC 10 umgestellt. Maschinen dieser Größe aber dürfen in Peking nicht landen, angeblich, weil die Piste nicht stabil genug sei und an einer neuen Landebahn noch gebaut werde. China-Kenner freilich meinen, aus Prestigegründen wollten die Chinesen in ihrer Hauptstadt keine Flugzeug-Typen zulassen, die sie selber nicht besitzen. Ihre internationalen Verkehrsflieger verfügen lediglich über einige Boeing 707.

Um Peking anfliegen zu können, müßte die Lufthansa deshalb eine Maschine des gleichen Typs einsetzen -- mit der Folge, daß entlang der ganzen Strecke eine aufwendige Infrastruktur für 707-Wartung aufgebaut werden muß. Auf der Peking-Route rechnet die Lufthansa mit jährlichen Verlusten in Höhe von etwa vierzehn Millionen Mark. Culmann: »Wenn die Bundesregierung ein eminent wichtiges Interesse anmeldet, das solche Verluste rechtfertigt, dann muß sie auch die Kosten dafür übernehmen.«

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