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Briefe

Mit einem Schlag ausgetrocknet
aus DER SPIEGEL 6/2007

Mit einem Schlag ausgetrocknet

Nr. 4/2007, Drogenpolitik: Die CDU streitet über die kontrollierte Heroinversorgung für Schwerstabhängige

Ich bin Arzt an einer großen Notaufnahme und habe regelmäßig Drogenabhängige zu untersuchen, die entweder mit Spritzenabszessen oder einer Überdosis Tag und Nacht bei uns eingeliefert werden. Diese bedauernswerten Menschen, meist ohne jegliche Ausbildung, müssen ein Vielfaches meines Monatsgehalts durch Stehlen zusammenbekommen, damit sie an ihren Stoff kommen können. Wenn man ihnen in Deutschland kontrolliert Drogen geben würde, würde ein ganzer Sumpf an Beschaffungskriminalität mit einem Schlag ausgetrocknet. Gleichzeitig würde Deutschland für die internationale Drogenmafia von einem Tag auf den anderen völlig uninteressant werden. Und dann könnte man auch noch die mit Mehl oder Reinigungsmitteln gestreckten Drogen durch saubere, präzise dosierte Drogen ersetzen und würde diese dann einfach mal »Arzneimittel« nennen. Arzneimittel, die diese Menschen brauchen wie andere Insulin, Arzneimittel, die helfen, weiteren Schaden (Hepatitis, Aids oder Spritzenabszesse) von diesen Patienten abzuwenden.

MULHOUSE (FRANKREICH) DR. OLIVER BOEKELS

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