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Briefe

Mit Kalbsbraten und Blitzkuchen
aus DER SPIEGEL 41/1985

Mit Kalbsbraten und Blitzkuchen

(Nr. 39/1985, SPIEGEL-Serie: Hat die Bibel doch nicht recht? Der libanesische Historiker Kamel Salibl verlegt die Stätten der Heiligen Schrift) *

Es ist für mich als Alttestamentler sehr spannend, die neueste Entwicklung der »Geschichte-Israel-Forschung« aus dem SPIEGEL zu erfahren. Zudem ist Ihre Serie über den Kampf der Offenbarungs-Archäologen sehr amüsant. Das Skurrile ist zum Glück auch meist das Amüsante. Und was die Erforschung der Geschichte Israels betrifft - sei es der schriftlichen Traditionen, sei es der materiellen Überreste, so ist hier zum Glück eine ganze Disziplin skurril. Unübertroffen war bislang die Albright-Schule. Wenn Albright am richtigen Ort und im richtigen Stratum (das heißt für die Zeit um 1800 v. Chr.) einen Kalbsknochen fand, dann betrachtete er dies als Beleg für die Historizität von 1. Mose 18, zumal wenn daneben noch ein Gerstenkorn lag, weil Abraham dort seine (göttlichen) Besucher mit Kalbsbraten und Blitzkuchen bewirtet. Und Albrights Historiograph, John Bright, schrieb in seiner »History of Israel« beglückt: »It fits!« Nun aber hat Albright seinen Meister gefunden: Er heißt Salibi.

Flensburg (Schlesw.-Holst.) BERND JÖRG DIEBNER

Die Königin Belqis von Saba hatte eine sehr lange Reise vorwiegend mit dem Schiff machen müssen und noch einen langen Landweg dazu, um zu König Salomon nach Jerusalem zu gelangen; das wäre vom Gebiet Sana''s/Marib nicht nötig gewesen, wenn Asir das Reiseziel war. Außerdem wurden die Säulen des Tempels des Salomo, quasi im Kellergeschoß des Morija-Berges, zum Teil freigelegt, und seine Kupferminen samt Schmelzanlagen mit sehr interessantem Belüftungssystem kann man im Süden des Landes auch besichtigen. Und wo wäre, nach Herrn Salibi, Sodom und Gomorra? Die Arche Noah - die Sintflut fand am 5. Juni 8489 v. Chr. statt - die auf diesem Ereignis basierende jüdische Zeitrechnung ist falsch! -, und Ibrahim/ Abraham wurde 612 Jahre danach in Ur oder Ninive (im heutigen Irak) geboren - befindet sich auf dem Al-Judhi-Höhenzug/Cudi-Gebirge, einem Vorgebirge des Ararat in Westkurdistan, in ungefähr 1600 Meter Höhe (heute Osttürkei).

München Frau AL-HADJA MARYAM Direktor des Deutschen Office für Pilgerwesen und Islamische Angelegenheiten

Neu und revolutionär ist nur Herrn Salibis These, daß auch das sogenannte Großreich des David und des Salomo nicht in Palästina, sondern in Arabien zu suchen sei. Als Herkunftsland zumindest eines Teils des jüdischen Volkes ist Westarabien schon seit Jahrzehnten bekannt.

München FELIX RÖHRL

Kamal Salibis Entdeckung scheint wieder einmal zu zeigen, was bisher vermeintlich »gesicherte Erkenntnisse« wirklich wert sind. Nur sollen um des Himmels willen die Saudis keine zionistischen Archäologen in Asir graben lassen. _(Bibel-Illustration von Julius Schnorr ) _(von Carolsfeld (1794 bis 1872). )

Denn wenn die fündig werden, dann dürfte es um den Frieden auch dieser Region geschehen sein!

Sindelfingen (Bad.-Württ.) HERMANN SCHABER

Falls Herr Kamal Salibi sich einmal den namensgleichen deutschen Orten widmen möchte, weise ich ihn darauf hin, daß unweit Bispingen in der Lüneburger Heide ein kleiner Ort namens Konstantinopel liegt. Da Konstantin, der sogenannte Große, bekannterweise in Trier aufgewachsen ist, darf Herr Salibi den naheliegenden Schluß ziehen, daß Kaiser Konstantin über Rom im Sauerland in das nur 400 Kilometer von Trier entfernte Konstantinopel zog, um dieses zu seiner Residenz zu machen, zumal »Hannibals Grab« nicht weit entfernt ist (ein Kilometer östlich Wilsede). Das rund 2000 Kilometer entfernte Byzanz liegt da doch recht abwegig. Und da nicht weit von Konstantinopel - auch in der Lüneburger Heide - Jerusalem liegt, kann Herr Salibi locker nachweisen, warum die ersten Kreuzritter über Konstantinopel nach Jerusalem marschierten, anstatt den bequemen Seeweg vorzuziehen. Es gibt keine Schiffsverbindung in die Lüneburger Heide! Das haben bisher alle Historiker übersehen. Es gibt noch viel zu tun für Herrn Salibi; packe er es an!

Trier MAXIMILIAN THOMAS

BRIEFE

Esel im Stall

(Nr. 38/1985, Aufkleber: Rechtsstreit um Playboy-Bunny) *

Ihr Artikel über den Aufkleberhersteller Bodamer, der sich den berühmten »Playboy-Häschenkopf« als Ziel seiner unternehmerischen Aktivitäten auserkoren hat, konnte leider die neueste Entwicklung nicht berücksichtigen. Die Firma Playboy Enterprises Inc. hatte nämlich auch bei dem von Bodamer so bezeichneten Schafskopf die besseren Karten in der Hand. Durch Urteil vom 13. September 1985 hat das Landgericht Stuttgart auch diesem Hasen im Schafspelz den Garaus gemacht.

Stuttgart CARMEN LICHTENSTEIN Rechtsanwältin

Wir erlauben uns darauf hinzuweisen, daß der »Lusthansa-Aufkleber« mit den beiden kopulierenden Kranichen nicht verboten, sondern erlaubt ist. Das Oberlandesgericht hat bereits am 17. Dezember 1981 das landgerichtliche Urteil aufgehoben und die Unterlassungsklage der Lufthansa rechtskräftig abgewiesen. Übrigens hat sich der Playboy-Hase auch mit uns anzulegen versucht. Als er im April 1985 bei Karstadt in München auf einen »Playboy-Esel« der Firma Scandecor stieß, witterte er ein Harlekin-Produkt und verlangte von uns, das verwechselungsfähige Tier bei Meidung einer Unterlassungsstrafe von 6000 Mark nicht länger frei herumlaufen zu lassen. Wir mußten passen und darauf hinweisen, daß wir in unserem Stall weder einen playboyförmigen Esel noch einen eselförmigen Playboy haben. Unsere Tierhaltung beschränke sich auf die Mast eines »Funny-Schweins«. Der Rest war Schweigen. Warum der Playboy-Lampe vor unserem Funny-Schwein das Hasenpanier ergriffen hat, wissen wir nicht -

vielleicht ist Hefners Bunny unsere Funny nicht schweinisch genug?

Wiesbaden »HARLEKIN« MICHAEL BERGER

Anbei eine weitere weitgehend identische, durchaus verwechselbare Variante des Playboy-Bunny. Trotz steil nach oben stehender Ohren ein eher etwas morbides Phallus-Symbol, was sich die Hamburger Punk-Rock-Gruppe »Abwärts« (auf »Totenkopf-Schallplatten") da ausgedacht hat.

Hamburg RIPOFF

Wann klagt der Playboy-Konzern gegen den Aufkleber mit dem Schweinerüssel (analog zum Playboy-Hasen), der mittlerweile die Autos vieler Frauen ziert?

Hamburg SANDRA HOLLER

BRIEFE

»Industriemüllpark Nordsee«

(Nr. 38/1985, SPIEGEL-Gespräch mit Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Uwe Barschel über die Müllkippe Nordsee) *

Hut ab, meine Herren, ein Genie! Ist ja doch ein rechter Leonardo Winzig, der Herr Ministerpräsident Barschel! Nicht nur, daß ihm ökologische Zusammenhänge überhaupt keine Rätsel aufzugeben scheinen, nein, obendrein ist er noch ein veritabler Leberspezialist! Und dann: diese überzeugende Art der Argumentation: natürlich ..., aber ..., zwar ..., aber ... Da merkte man doch gleich, daß hinter solchen Worten ein kluger Kopf stecken mußte; mir jedenfalls wurde es angesichts soviel erdrückender Kompetenz und einer wahrhaft christlichen Einstellung zur Natur so richtig warm ums Herze.

Mainz ANTON KOSSOROTOW

Kurz bevor der SPIEGEL das Gespräch mit dem schleswig-holsteinischen Ministerpräsidenten über den Schutz der Nordsee veröffentlicht, besetzen Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Hamburger Jugendverbände für Natur-und Umweltschutz die Ölbohrinsel »Mittelplate« in unmittelbarer Nähe der Vogelschutzinsel Trischen mitten im schleswig-holsteinischen Wattenmeer. Die jungen Menschen protestieren gegen die geplante Ölförderung im künftigen Nationalpark Wattenmeer: Die Wirklichkeit straft den schönen Schein des Ministerpräsidenten Lügen. Aber es kommt noch toller. Schien der Ministerpräsident in dem SPIEGEL-Gespräch mit seiner Äußerung, die Ölbohrungen am Rande der Vogelschutzinsel seien »natürlich ein Schönheitsfehler, vielleicht sogar mehr« zumindest jenes Quentchen Selbstkritik zu zeigen, das die SPD-Fraktion bei der Diskussion über den Wattenschutz vermißte, so war diese Hoffnung auf Einsicht verfrüht. Wenige Tage später meldeten die Zeitungen, der Ministerpräsident habe das Ölfeld im Schutzgebiet des Nationalparks als »Schönheitsfehler der Natur, sozusagen gottgegeben« bezeichnet. So setzt der Ministerpräsident einen Schelm auf den anderen. Läßt Schießübungen und Ölförderungen im Wattenmeer zu, klebt das Etikett Nationalpark drauf und seufzt irgendwann, irgendwo: Ich konnt'' nicht anders - Gott hat mitgebohrt.

Kiel BJÖRN ENGHOLM, SPD/MdL Fraktionsvorsitzender im Landtag Schleswig-Holstein

Der Gedankengang des Herrn Uwe Barschel wirkte auf mich äußerst beeindruckend. Wir haben uns also alle umsonst Sorgen gemacht. Der Feststellung, daß jede zweite Plattfisch-Kliesche von schlimmen Hautkrankheiten befallen ist, wußte er das bemerkenswerte »Argument« entgegenzusetzen, daß die Kliesche ja sowieso kein Speisefisch sei. Die im Nordsee-Öl verendeten Seevögel zählen auch nicht zu den Nahrungsmitteln des Menschen. Dann ist ja alles in Ordnung, wenn man zudem die eigenen Unzulänglichkeiten damit verdrängen kann, indem man andere zur Verantwortung zieht (... das, was die Engländer ins Meer kippen ...), oder?

Nortmoor (Nieders.) KERSTIN DENKENA

Das Wischiwaschi der Verzögerungs- und Entschädigungstaktik des Ministerpräsidenten zeigt doch, wie hoffnungslos es um die Müllkippe Nordsee bestellt ist.

Berlin JOACHIM BÖHNERT

Jahrelang haben die Ministerpräsidenten von Niedersachsen und Schleswig-Holstein tatenlos zugesehen, wie die Nordsee immer weiter verdreckte. Es ist ein Skandal, das von verantwortlichen Stellen die Verklappung von hochgefährlichen Säuren zugelassen wird. Die Hinweise von Herrn Barschel auf dringend »notwendige Vereinbarungen« können einen nur wie blanker Hohn anmuten. Wenn die Atomanlage in der Nähe von Cuxhaven (Niedersachsen) erst einmal fertiggestellt ist, werde ich vorschlagen, den Nationalpark Wattenmeer umzubenennen in »Plutonium- und Industriemüllpark Nordsee«.

Hamburg CLAUS RIEPER

BRIEFE

Kein Verlaß

(Nr. 38/1985, Verteidigung: Der Krach um Bülows Strategie-Papier) *

Von Bülows Papiertigerei ist nichts anderes als wahlpolitische Halbalternativenfängerei! So schön diese »Thesen« auch klingen mögen - außer den Unionsdemagogen die Wahlpropaganda-Kanonen zu laden, wird ebensowenig herauskommen wie seinerzeit zur »Antibundeswehrthese«! Nicht nur, daß wir dauernd ver »Kohl"t werden; ge »Brandt"e Bürger scheuen die Wahlversprechen.

Berlin NORBERT RIEMER

Die heimliche Sehnsucht der SPD war schon immer der Osten.

Griesbach (Bayern) KARL DISCHLER JR.

Das Strategiepapier ist bei weitem nicht so revolutionär, wie es das Panikorchester um Verteidigungsminister Wörner weismachen will; es bleibt zum Teil ein ganzes Stück hinter den Defensivkonzepten zum Beispiel des Friedensforschers Afheldt oder des Generalmajors a. D. Löser zurück. Nichtsdestoweniger kann es einen guten und notwendigen Beitrag dazu leisten, die tödliche Perspektivlosigkeit der gegenwärtigen Militärdoktrin zu überwinden und ein langfristiges Sicherheitskonzept zu entwerfen, das diesen Namen auch verdient.

Gailingen (Bad.-Württ.) OLIVIER ELMER

Wenn der neue Kanzlerkandidat Johannes Rau nicht genügend Mumm hat, den Unterschied zur CDU-Politik zu vertreten, ist er als späterer Parteivorsitzender ungeeignet.

Berlin THOMAS SPLITTGERBER

Da könnte man ja fast wieder SPD wählen? Endlich ein kompetenter Mann, der europäische Sicherheitsalternativen zur existenten Vasallenpolitik aufzeigt.

Berlin EBERHARD KLINGE

Das Presse-Echo auf die Bülow-Papiere war überwiegend negativ. Da jedoch immer mehr Menschen die Fragwürdigkeit der gegenwärtigen Verteidigungspolitik bewußt wird, hoffe ich, daß diese Gedanken in der SPD trotzdem weiterentwickelt werden.

Gauangelloch (Bad.-Württ.) KLAUS OEDER

Ein Glück, daß es wenigstens noch - auch von der Sache her - kompetente Vordenker gibt, die sich Vorstellungen über mögliche friedenfördernde Zukunftsmaßnahmen machen und sie zur Diskussion stellen.

St. Augustin (Nrdrh.-Westf.) CARL SCHOPEN

Alle reden von Abrüstung, doch als schriftlich fixiertes Programm, auf das man sich als Wähler verlassen könnte, scheint es für deutsche Politiker tabu zu sein.

Köln WOLFRAM BOECKER

Bibel-Illustration von Julius Schnorr von Carolsfeld (1794 bis1872).

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