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PAKISTAN Mit Stacheldraht gegen die Taliban

aus DER SPIEGEL 4/2007

Im mittlerweile sechsten Jahr des weltweiten Feldzugs gegen den Terrorismus ist das dünnbesiedelte Bergland zwischen Pakistan und Afghanistan für Islamisten immer noch ein bevorzugtes Rückzugsgebiet, denn dort gelten Stammesloyalitäten mehr als jede staatliche Autorität. Islamabad erwägt deshalb eine aufwendige Sicherung seiner 2400 Kilometer langen Grenze mit Zäunen und mit Minengürteln. Damit soll eine Infiltration durch die erstarkenden Taliban verhindert oder zumindest erschwert werden. Um Entschlossenheit zu demonstrieren, griff Pakistans Militär am vorigen Dienstag einen der Extremisten-Stützpunkte an. Mehr als zwei Dutzend Menschen starben beim nächtlichen Luftangriff auf das Dorf Samsola in Süd-Waziristan. In dem halbautonomen Gebiet hatte die Regierung den Paschtunenführern bislang weitgehend freie Hand gelassen - gegen das Versprechen, »fremde Kämpfer« zu befrieden. Diese Strategie ist offenbar gescheitert. Passend zum Besuch des neuen US-Verteidigungsministers Robert Gates in Afghanistan wollte Präsident Pervez Musharraf offenbar Stärke beweisen und zeigen, dass auf ihn als Bündnispartner Verlass bleibt. So ließ er auch Meldungen als »absurde Lüge« dementieren, wonach sich der einäugige Taliban-Häuptling Mullah Omar in der grenznahen Stadt Quetta im Westen Pakistans aufhalten soll. Das hatte der in Afghanistan festgenommene Taliban-Sprecher Mohammed Hanif behauptet. Kabuls Geheimdienst verbreitete die Aussage per Video. Darin werden die Kollegen vom pakistanischen ISI beschuldigt, Omar zu schützen und Selbstmordanschläge in Afghanistan zu finanzieren, um die Regierung von Hamid Karzai zu destabilisieren. Drei Männer mit einem Laster voller Sprengstoff wurden am selben Tag bei der Einreise aus Pakistan festgenommen. Kabul lehnt die Verminung der Grenze ab. Der Riesenzaun würde nur Familien trennen, so Karzai, »nicht aber den Terrorismus verhindern«.

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