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Briefe

MITGIFT
aus DER SPIEGEL 6/1961

MITGIFT

... denn Du hast Dir nun offenbar endgültig den Zorn der »ecclesia militans« zugezogen! Die Kommandeure mobilisieren das Fußvolk. Sie fühlen sich auf die Soutanen getreten...

Stuttgart 13 HEINZ BACHMANN

Leider scheint bei Paul Sackarndt, dem Verfasser der Untersuchung über den SPIEGEL, die der katholische Zeitschriftendienst druckte, das Lähmungsgift für den katholischen Christen, das in jedem SPIEGEL-Produkt enthalten ist, keinerlei Wirkung zu tun. Gerade Herr Sackarndt hätte, zugunsten der Logik, eine gewisse Dosis dieses Gifts ziemlich nötig.

Berlin-Steglitz PETER MICHAEL

Ich gehöre zu den aufgeklärt Beschränkten des Herrn Sackarndt und muß gestehen, daß ich das »antichristliche Giftelement«, eben den SPIEGEL, für geradezu »religiös wertvoll« halte, denn auch ich bin der Überzeugung, der Begründer der christlichen Lehre habe sich diese schwerlich als Aushängeschild für politisches Machtstreben gedacht. Kehrte er auf diesen Planeten zurück, so müßte ihm übel werden ob des mit seinem Namen verquickten politischen Kuhhandels, der pomphaften Massendemonstrationen, der Fetischanbetung, der Schamanenarroganz, kurz eines Machtsystems, das

assyrisch-babylonischen Riten und Praktiken aufs Haar gleicht und mit Jesus von Nazareth ungefähr nichts zu tun hat. Ich könnte mir auch denken, daß es Christus nicht in die Parteihäuser zöge - eher zu den Gewissenskonflikten des unbekannten SPIEGEL -Redakteurs.

Chieming (Bayern) H. WINDISCH

Wer die Berichterstattung des SPIEGEL für gefährlich hält, der möge selbst etwas tun, daß die zur Kritik herausfordernden Angriffsflächen verschwinden.

Westerburg (Westerwald) HERMANN RICK

Ich staune, welche Sorge der SPIEGEL trotz seiner im Vergleich zu der Zahl der Katholiken in Deutschland kleinen Auflage der katholischen Kirche macht.

Wuppertal-Ronsdorf KLAUS KASBURG

... Feststellungen treffen den SPIEGEL nur als Popanz, der rekonstruiert ist aus Artikeln, die sich mit kirchlicher, speziell katholischer Thematik beschäftigen... Seltsamerweise werden dem SPIEGEL »mangelhafte Informationen« und »peinliche Unrichtigkeiten« zur Last gelegt, während die relativ

hohe Zuverlässigkeit der SPIEGEL-Berichterstattung ihn zu einem Hilfsmittel der westdeutschen Rechtspflege hat werden lassen...

Der Zensor hat sich die Erklärung der SPIEGEL-Kritik an katholischen Erscheinungen als »objektiv böswillig« viel zu leicht gemacht. Ist das Verfahren, gewisse Äußerungen katholischen Weltgefühls mit der modernen Lebensverfassung und mit den realen Begleitumständen zu konfrontieren, tatsächlich illegitim? ... Der Zensor scheint in die Grube gefallen, die er seinem Zensurobjekt bestimmte.

Rottweil (Württ.) KONRAD MOLL

Vikar

Uns Halbgescheiten, die im SPIEGEL einen Beweis für eine zumindest halbwegs funktionierende Demokratie erblicken, paßt es nicht, einen Satz nur deshalb für richtig halten zu sollen, weil er sich ohne Widerspruch in ein System einfügen läßt. Solche Denkunredlichkeiten überlassen wir gern dem Theologen und die Apologetik gern dem Katecheten.

Dietmannsried (Allgäu) LEO SOHLER

Warum denn die panische Angst, daß katholische Schäfchen vom anderen Salze lecken? Laßt sie doch immer ein wenig von dem geistigen Gift, das der SPIEGEL ausstreut, naschen. Denn kleine Mengen süßen Gifts, stetig und regelmäßig genossen, machen immun. Man kann dann größere Mengen konsumieren, ohne umzufallen (siehe Alkohol).

Liblar (Westf.) GOTTFRIED GROSSMANN

In Ihrem feudalen Redaktionsstab ausgewählter Intelligenzler gibt es also auch christliche Aktivisten. Da legst di nieder!

Burghausen (Oberbayern) V. SDROWOK

Als einer seiner »intelligent-beschränkten« Leser halte ich mich lieber an den SPIEGEL als an die diversen christlichen Botschaften, schon weil der SPIEGEL Geld kostet, jene einem aber überall nachgeworfen werden. Sie sind auch danach.

Hamburg-Barmbek SIEGFRIED MULLER

Der SPIEGEL ist also index-reif. Ein Grund mehr, ihn zu lesen.

München 2 OTTO KAISS

Sackarndt

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