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Mitterrands Raketen-Pläne

aus DER SPIEGEL 44/1987

Revolution in der französischen Militärdoktrin? Staatschef Francois Mitterrand versetzte vorige Woche in Bonn Militärstrategen beiderseits des Rheins in Aufregung: Frankreichs atomarer Warnschuß müsse nicht unbedingt auf bundesdeutschem Boden niedergehen. Dies wurde als Absage an die französischen Kurzstreckenraketen »Pluton« und »Hades« ausgelegt, die mit ihren Reichweiten von 120 und 350 Kilometern fast ausschließlich deutsche Ziele erreichen könnten. Als Ersatz für Kurzstreckenraketen, so »Le Monde«, wolle der Präsident lieber Neutronenwaffen stationieren. Einer seiner engsten Berater dementierte: Mitterrand habe zwar mit Kohl über die Neutronenwaffen gesprochen, aber »nicht als aktuelles Projekt«. Mutmaßungen über »strategische Versuchungen« ("Le Monde") oder gar »eine Revolution in der französischen Militärdoktrin« ("taz") seien »total falsch«. Mitterrand wolle auch in Zukunft »absichtlich unpräzise« über das Wann und Wo eines französischen Nukleareinsatzes bleiben: Er will diese »schreckliche Entscheidung« allein treffen, und jede Präzisierung würde Frankreichs nukleare Abschreckung wertlos machen.

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