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Mittwoch, 3. Februar

aus DER SPIEGEL 5/1999

20.15 - 21.45 UHR ARD

Mein Kind muß leben

»1989 führte der Kampf eines Vaters zur Gründung des ersten Therapiezentrums für hirnverletzte Komapatienten in Burgau.« Dieser Satz steht im Abspann von Diethard Klantes beeindruckendem Film, der diese wegweisende Pioniertat rekonstruiert. Die Schülerin Evi (Barbara Herschbach) verunglückt mit dem Motorroller und fällt in ein Wachkoma. Bis zur Erschöpfung kämpfen Evis Vater (Heinz Hoenig), die Schwester (Johanna Klante) und nach einiger Überwindung auch die Mutter (Margarita Broich) um das scheinbar hoffnungslos kranke Kind. Erste Erfolge stellen sich schließlich in der Schweiz ein - Anlaß für den Vater, auch in Deutschland eine solche Klinik zu gründen. Verdienstvollerweise ruft der Film beim Zuschauer nicht nur Mitleidsgefühle ab. Er zeigt den Kampf gegen schlechte Krankenhausroutine und Ärzte, die ihre Unwissenheit verstecken: Der eine ist ein in Routine erstarrter Halbgott in Weiß (Peter Roggisch), der andere (Jürgen Hentsch), öffnet sich dagegen allmählich neuen Methoden. Motor und Seele des TV-Spiels aber ist der Schauspieler Hoenig: Als verletzlicher und zugleich energischer Kämpfer beherrscht er die Szene. Weil die Medienwelt sonst die Mütter feiert, freut man sich besonders über einen starken Vater.

23.00 - 0.05 UHR ARD

Auf Gebeine gebaut

Sie aßen Schmierfett, als wäre es Butter. Im Sommer banden die Wächter einige von ihnen nackt an Pfähle - die Körper verfärbten sich schwarz, und die Häftlinge fielen in Ohnmacht: Millionen von Stechmücken machten sich über die Leiber her. Die britische Dokumentation von Tom Roberts veranschaulicht ein finsteres Kapitel stalinistischen Verbrechens: den Bau einer Eisenbahn nördlich des Polarkreises, den der Sowjetdiktator 1945 befahl. Jede Eisenbahnschwelle dieses Wahnsinnsprojekts - der Permafrostboden verformte die Trassen, nach Stalins Tod wurde nicht mehr weitergebaut - steht für einen Toten, zwischen 60 000 und 100 000 Menschen ließen ihr Leben. Mit künstlerischer Virtuosität verknüpft Roberts die Leidensberichte der Überlebenden mit Bildern von halbversunkenen Eisenbahnresten zu einem bedrückenden TV-Requiem über menschliche Brutalität und Hybris.

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