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Hausmitteilung Möllemann

aus DER SPIEGEL 34/1984

Datum: 20. August 1984 Betr.: Möllemann Wer tief in der Tinte sitzt, wenn nicht auf verlorenem Posten ficht, dem mag schon mal ein unbesonnenes Wort entfahren und nachzusehen sein. Wenn jedoch Jürgen Möllemann in seiner bekannten Not eine »zionistische Verschwörung« insinuiert, dann fällt nachsichtiges Weghören schwer. Schließlich, die Not sei noch so groß, ist dieser Mann nicht nur der »Riesenstaatsmann Mümmelmann« (Franz Josef Strauß sei Dank), sondern tatsächlich Staatsminister im Auswärtigen Amt der Bundesrepublik Deutschland.

Am Montag letzter Woche wehrte sich Möllemann auf einer Pressekonferenz in Bonn gegen den SPIEGEL, der mehrmals über bedenkliche Geschäfte und Geschäftsverbindungen des Staatsministers berichtet hatte (SPIEGEL 25, 32, 33/1984). Was dabei über Möllemanns »merkwürdige Mixtur von Geschäft und Politik« herauskam, über seine »Arabian connection« und seine »Beziehungen zu Kaufleuten, die ihrerseits die Finger in Rüstungsgeschäften haben« (so die »Süddeutsche Zeitung"), hat die Stellung des Staatsministers und FDP-Vorsitzenden von Nordrhein-Westfalen erschüttert. (Vertrauensbeweise im Vorstand des FDP-Landesverbandes am vorigen Freitag sind Kosmetik.)

Das aber kann doch nicht mit rechten Dingen zugehen. Natürlich, so muß es sein: Hinter den SPIEGEL-Berichten stehen Kräfte, welche die »zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich Saudi-Arabien in Aussicht genommene auswärtige Zusammenarbeit stören« wollen - Möllemann enthüllte es der staunenden Öffentlichkeit am vergangenen Montag. Und auf die Frage eines Journalisten, ob er sich also als »Opfer einer zionistischen Verschwörung« sehe, antwortete er, schlau, wie er sein will: »Das haben Sie gesagt.« (Siehe »Panorama«, Seite 17.)

Die Antwort, so zeigte sich tags darauf, wurde wohlverstanden: Israels Bonner Botschafter Jizchak Ben-Ari fühlte sich durch Möllemanns Äußerung an den »klassischen Antisemitismus« erinnert - persönliches Mißgeschick werde den Juden angehängt. Der Botschafter nannte die Äußerung eine »infame Unterstellung«.

Die Geister der Weisen von Zion, die er da rief, wird der deutsche Riesendiplomat Möllemann so schnell nicht mehr los. »Daß er immer noch daran glaubt, Spitzenkandidat der FDP im NRW-Landtagswahlkampf sein zu können«, schrieb der »Kölner Stadt-Anzeiger«, »ist dagegen nur eine läßliche Sünde.«

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