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Personalien Mohammed Resa Pahlewi, Karsten Voigt, Georg von Holtzbrinck, Klaus Ludwig, Hugh M. Hefner, Heinz van Nouhuys, Bobby Fischer, Henry Kissinger

aus DER SPIEGEL 42/1972

Mohammed Resa Pahlewi, 52, Schah, saß für Persiens Sport Modell. Des Kaisers klassische Pose, in seinem Pa last zu Teheran abgelichtet. illustriert eine in der »Deutsch-Iranischen Kulturzeitschrift« (Untertitel) »Kaweh« veröffentlichte Bilanz beliebter Leibesübungen im Iran -- wozu das Münchner Blatt auch die Pfadfinderei rechnet. denn »physische Leistungsfähigkeit war in der iranischen Gesellschaft schon immer als sehr wichtig angesehen worden«. Während Schah Resa Skilaufen, Tennis und Polo den nationalen Muskel-Spielen wie Ringen und Gewichtbeben vorzieht, fand Thronfolger Resa jr., 11, Gefallen am volkstümlicheren Kicken. Beweis: Ein zweites »Kaweh«-Photo zeigt »Seine Kaiserliche Hoheit Kronprinz mit Uwe Seeler«.

Karsten Voigt, 31, Alt-Juso, paktierte mit Kommunisten -- im Ausland. Als einziger Vertreter bundesdeutscher Linker nahm der einstige Jungsozialisten Chef beim alljährlichen Fest der KPI-Zeitung »Unitá« in Rom teil -- Vertreter der SDAJ oder DKP waren nicht geladen. denn: »Die Italiener sind realistisch; die wissen doch, daß es mit denen nicht weit her ist« (Voigt). Wie weit er selbst gehen wollte, zeigte der Doppel-Stratege während einer Podiumsdiskussion (Thema: »Die Jugend und Europa"). bei der er den italienischen Kommunisten vorwarf, »die Gastarbeiter immer erst vor den Wahlen« zu entdecken. Damit niemand zu Hause sein Auftreten »in den falschen Hals« bekommt, erläuterte er: »Hier wird auf europäischer Ebene diskutiert, zwischen Leuten verschiedener Richtung.« Daß das »rote Oktoberfest« (so die Tageszeitung »Corriere della sera") nicht nur Agitprop zu bieten hatte, konnte der Sozialist anschließend auf einem Rundgang zu den verschiedenen Informationsständen feststellen -- auf rund einem Drittel der Ausstellungsfläche wurden kulinarische Spezialitäten feilgeboten. Voigt: »Die sind eindeutig auf dem Weg zur Sozialdemokratie.« Georg von Holtzbrinck, 63, Großverleger, wollte nicht »aktiv in den Wahlkampf eingreifen« -- tat es aber doch. Der Stuttgarter Unternehmer (Beteiligungen unter anderem: Fischer, Droemer, Rowohlt, Deutsche Zeitung. Handelsblatt) ließ die -- im S. Fischer Verlag -- angelaufene Produktion des »Schwarzbuch: Franz Josef Strauß« kurz vor Druck stoppen, weil »wir keine Plattform für Publikationen im Wahlkampf sind« (Holtzbrinck-Generalbevollmächtigter Werner Schoenicke). Folge: Die Herausgeber (Juso-Vorsitzender Wolfgang Roth. Judo-Chefin Ingrid Matthäus, Falken-Führer Dieter Lasse und DGB-Jugendsekretär Walter Haas) mußten das Aufklärungsbuch vom Verlag Kiepenheuer & Witsch drucken lassen und den Preis pro Exemplar um eine Mark -- auf 3.80 Mark -- erhöhen. Roth: »Der Konzernherr hat sich eben so verhalten, wie sich ein Juso einen Konzernherrn vorstellt.«

Klaus Ludwig, 22, Wehrdienstverweigerer ohne Erfolg, sieht im Wahlkampf neue Möglichkeiten, sich der Bundeswehr zu entziehen. Nachdem ihm eine Anerkennung als Waffen-Gegner ("Aus politischen Gründen") versagt worden war und ein neuer Antrag zur Gewissenserforschung (neues Motiv: »Aus ethischen Gründen") einen Einberufungsbefehl nur kurzfristig hinausschieben konnte, sammelt er gegenwärtig 2000 Unterschriften, um im Wahlkreis Heilbronn für den Bundestag kandidieren zu können -- wodurch er von der Bundeswehr freigestellt werden müßte. Ludwig, der sich »noch ein Programm ausdenken« muß, will »irgendwie eine Alternative für die Jungwähler« darstellen: »Wenn ich die Stimmen habe, wird mir schon etwas einfallen.« Hugh M. Hefner, 46, »Playboy«-Chef« war Münchens Polizei ein zu großes Sicherheitsrisiko. Der amerikanische Sex-Grossist plante seine deutschen Kompagnons Heinz van Nouhuys (Redaktionsleiter des deutschen »Playboy« und des Rechts-Blattes »Quick") sowie Heinz Bauer in der Bayern-Metropole zu treffen. Obwohl Hefner selbst Leibwächter mitbringen wollte, ließ er zusätzlichen Polizeischutz anfordern. Doch die Bitte wurde abgeschlagen -- der Bunny-Boss verlegte die Besprechung nach London. Erkannte Nouhuys: »Die Münchner Polizei ist bereits am Rande ihrer Möglichkeiten -- durch Schutzmaßnahmen für »Quick-Redakteure.«

Bobby Fischer, 29 (r.), Schach-König, durfte sich im US-Fernsehen an Nixons Sicherheitsberater Henry Kissinger rächen. Vergangene Woche trat der Champion, der seinen Abflug nach Island zum Weltmeisterschafts-Turnier gegen Boris Spasski ständig hinausgezögert hatte und deshalb vom Präsidenten-Helfer telephonisch gerüffelt worden war, zu einem Schauspiel (Honorar: 10000 Dollar) gegen Scherzprofi Bob Hope, 68, an. Hope ernsthaft: »Bobby« ich hörte, daß Sie während der ganzen Dauer Ihres Matches Ratschläge von Henry Kissinger bekommen haben. Ist das wahr?« Fischer: »Das stimmt.« Hope: »Haben sie geholfen?« Fischer: »Sie werden -- falls ich jemals Jill St. John treffe.« Die Hollywood-Schöne zählte bislang zu Kissingers favorisierten Freizeit-Gefährtinnen.

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