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Briefe

MONARCHIE
aus DER SPIEGEL 12/1954

MONARCHIE

(Nr. 10/1954, Deutschland)

Der Münchener Fürstentag, von dessen Scheitern Sie berichteten, fand einige Zeit später doch noch statt, wenn auch in der aus bekannten Gründen kleinen Besetzung. Die gesalbten Häupter trafen sich in der Münchener Steinsdorfstraße in der Wohnung des Erbprinzen von Sachsen. Sie waren übrigens auch vorher im Bankhaus Aufhäuser nicht ganz fremd; denn Herzog Ernst August zu Braunschweig und Lüneburg ist Kommanditist dieses Bankhauses.

München

Werner Finkenborn

... Erst wenn wir wieder einen vorbildlichen Sitten- und Ehrenkodex haben, den eine »Elite« vorlebt (statt der Leute, die nur das »Enrichissez-vous« beherzigen), können wir wieder zu einem wirklichen »Staat« kommen... Natürlich kann auch eine »Monarchie« als Staatsform allein die Dinge nicht bessern, doch ist sie zweifellos ein besserer Nährboden für Recht und gute Sitte als jede andere Staatsform ...

Goslar

Wilhelm Sander

Haben die Herren Schoeps und Konsorten wirklich nichts Vernünftigeres zu tun, als unsere junge Demokratie mit monarchistischen Quertreibereien zu unterwühlen? Statt Vorhandenes sinngemäß weiterzuentwickeln, wird hier versucht, Künstliches aufzupfropfen. Daß Demokratie und Monarchie keine natürlichen Gegensätze sind, darüber belehrt uns ja das Beispiel Englands. Daß aber Demokratie und Republik ebenso gut zusammen harmonieren, kann man doch kaum bezweifeln. Schließlich hat die Monarchie Viktor Emanuels III. Italien vor dem Faschismus nicht bewahren können. Das Reaktionär-Restaurative der monarchistischen Tendenzen ist allzu unverkennbar. Was fehlt, ist eine staatstragende Schicht; und was wir brauchen, ist Adel des Geistes und nicht Adel des Blutes. Ganz ohne Zweifel ist die politische Elite unseres Volkes zu dünn. Die aber muß organisch wachsen und herangebildet werden. Dem Mangel durch eine Monarchie abhelfen zu wollen, hieße das Pferd am Schwanze aufzäumen.

Heilbronn

Martin Kahleyß

... Ich bin der Ansicht, daß jeder Staatsbürger, dem die Erhaltung der Demokratie ein ernstes Anliegen ist, auf Grund realer Erwägungen monarchistische Bestrebungen nur begrüßen kann. Bedarf doch unsere junge Demokratie in einem Zeitalter, das sich seine Götter in den Kreisen von Filmstars und Schönheitsköniginnen sucht, auch eines gewissen äußeren Glanzes und eines Symboles, um im Herzen der breiten Massen wirklich Wurzeln zu schlagen. Die Institution eines Staatspräsidenten vermag die hier vorhandene Lücke aus mannigfachen Gründen nach meiner Ansicht nicht auszufüllen. Es bedeutet eine große Gefahr für die deutsche Demokratie, daß sie derartige im emotionalen Bereich liegende Dinge nicht im genügenden Umfang beachtet hat... Um einen deutschen Monarchen hätte sich auch mit nachhaltigerer Wirkung im Volke der Kern einer Widerstandsbewegung gegen Hitler bilden können. In Italien gelang es z. B. dem vielbelächelten Viktor Emanuel III. im Verein mit anderen Kräften, Mussolini zu Fall zu bringen ... Schließlich sei auch darauf hingewiesen, welch große Bedeutung das Bestehen eines Herrscherhauses für die deutsche Wiedervereinigung hätte...

Bonn

Friedrich W. Siebeke

Herr Professor Schoeps dürfte mit seiner Ansicht, die Wilhelminische Ära sei demokratisch gewesen, nicht ganz richtig liegen... Die Tradition des preußischen Herrschertums war doch tatsächlich eine autoritäre. Man erinnere sich z. B. nur, welcher Kämpfe es in Preußen seinerzeit bedurfte, bis das Klassenwahlrecht zu Fall kam, das in keinem anderen deutschen Lande Geltung hatte Wenn in diesem Zusammenhang Vergleiche zu ziehen wären, möge das wilhelminische Kaisertum mit dem seinerzeitigen bayerischen Königshaus in seiner wirklich volksnahen Erinnerung oder mit dem von jeher bürgerlich gesinnten holländischen Königtum verglichen werden. Da die Hohenzollern so etwas nie im Blute hatten, haben alle Zusicherungen und Vertrauenswünsche ein fragliches Gesicht...

Memmingen

Otto Eichinger

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