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Briefe

MORAL 67
aus DER SPIEGEL 35/1967

MORAL 67

(Nr. 32/1967, Holzamer-Gespräch)

Es ist eine Unverschämtheit, daß sich Millionen Fernseher den mittelalterlichen Moralbegriffen der katholischen Kirche, deren Handlanger der Komturkreuzträger Holzamer ja ist, beugen und unterwerfen müssen. Wenn Herrn Holzamer das Privatleben der Ansagerin Stößel und die Privatansichten der Ansagerin Schurmann nicht gefallen, dann sollte er Vorsteher

eines Klosters und nicht Vorsteher eines Fernsehsenders werden. Seine Moralbegriffe sind nicht die unsrigen. Übrigens hat man des öfteren den Eindruck, daß Unterhaltungssendungen vorher vom Bischof in Mainz zensiert worden sind, ob nicht doch ein Stückchen Busen zuviel zu sehen ist. Soll Herr Springer ruhig das Zweite Fernsehen übernehmen, wenn dadurch Herr Holzamer verschwindet. Ladbergen (Nrdrh.-Westf.)

HANS HERMANN

Herr Holzamer hätte Geschäftsführer beim Volkswartbund oder bei der »Sing -- Out -- Deutschland« -- Bewegung werden sollen, denn er ist geradezu ein Musterrepräsentant dessen, was Heinrich Heine sehr treffend als die »verschimmelten Hochgefühle« der Spießbürger bezeichnet hat. Brunsbüttelkoog (Schlesw.-Holst.)

MICHAEL MAHLSTEDT

Ein Lob für Herrn Holzamer, daß er sich endlich vom Makel des »grimmigen Moralisten« freigesprochen hat und sich frank und frei zu einer doppelten Moral beziehungsweise »Verantwortung« bekennt. Damit ist gottlob nahezu institutionell, auf jeden Fall gläubig katholisch glorifiziert untermauert, daß man sich (auch als ZDF-Star wie Onkel Lou) getrost alles erlauben kann, es darf nur nicht publik werden.

Berlin ALICE MÜHLHAUSEN

Wenn Herr Holzamer das ZDF für eine moralische Anstalt hält, dann soll er konsequenterweise Oberkonsistorialrat Gerstenmajer für den »Goldenen Schuß« engagieren; denn der weiß, wie man Böcke schießt, ohne daß sich »Bild« darüber aufregt.

München HERBERT PIRK

Ich habe es immer für ein Paradebeispiel für den Niedergang des guten Geschmacks in unserem Land angesehen, daß ein Lou van Burg mit seinen Primitiv-Gags sich jahrelang der Gunst der Massen erfreute, daß eine Zeitung wie »Christ und Welt« ihn zum »König der Quizmaster« befördert (!).

Unterkirchberg (Bad.-Württ.)

WERNER UNBEHAUN

Dieselbe Pikierlichkeit wie Holzamer zeigte in der Nazizeit der sogenannte Reichsnährstand, als er die Wendung »Ein Bäuerlein machen« amtlich aus dem Sprachschatz gestrichen haben wollte, weil sie die »Ehre des deutschen Bauern« berühre.

Den Haag-Scheveningen AUGUST MOST

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