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Briefe

Moralisch zwiespältig
aus DER SPIEGEL 37/1989

Moralisch zwiespältig

(Nr. 34/1989, Euthanasie: Proteste gegen Singers Thesen / Wenn Mitleid tödlich wird - Die hundertjährige Tradition des Euthanasie-Gedankens/Von Klaus Dörner)

Die Abschaffung scheinbaren oder tatsächlichen Leidens Behinderter findet nicht durch die Abschaffung der Behinderten, sondern durch die Beendigung diskriminierenden Handelns und Denkens der Nichtbehinderten statt. Behinderte sind auch nicht der »Ballast« der Gesunden, auch dann nicht, wenn Ballast als positiv begriffen wird, sondern Behinderung ist lediglich eine Variation der Norm. In dem Moment, da sich diese Einsicht durchsetzt und sich mit dem Wissen um die Steigerung der Lebensqualität der Gesellschaft bei Variantenreichtum dieser Gesellschaft verbindet, erst dann wird die unselige Leidenstheorie und die mörderische Euthanasie-Diskussion zu Grabe getragen werden. *UNTERSCHRIFT: Ludwigshafen CHRISTIAN BACH 100 Prozent MdE-Conterganer

Kein Gesetzgeber kann der Mutter eines schwerstbehinderten Kindes nachempfinden, ebensowenig wie einem Schwerstbehinderten, der sich selbst töten würde, wenn er dazu körperlich noch in der Lage wäre. Egal, ob Tier oder Mensch: Wir, die Gesunden, haben die moralische Pflicht, den Kranken beim Leben behilflich zu sein und, wenn es sein muß, auch beim Sterben. *UNTERSCHRIFT: Mauern (Bayern) SYLVIA RANOS

Die These, alte und neue »Euthanasie-Anhänger« würden den »emotionalen Motiven ihres Drangs zur vermeintlich humanen Tötung leidender Menschen gar nicht nachgehen«, eröffnet eine mittelalterliche Hexenverfolgung. Denn wenn wir uns auf Begriffe wie Selbstbestimmungsrecht, Menschenwürde und Freiheit nicht mehr verständigen können, dann wird mit pseudomoralischen Kategorien verketzert. Wo gehen denn die »Anti-Euthanasisten« den Motiven ihres sehr emotionalen Tuns für die Behinderten nach, das dazu führt, daß Gegner gewalttätig am Reden gehindert werden, nach polizeilichen Verboten gerufen, beleidigt und geschmäht wird?

Die nächste Stufe der Auseinandersetzung wäre: »Und willst du nicht meiner Meinung sein, dann schlag' ich dir den Schädel ein . . .« Anfänge dieser Art sind bereits von diesen Ideologen praktiziert worden. So verfuhren nicht nur die Nazis, sondern auch die christlichen Inquisitoren und Hexenjäger, in deren »Fußstapfen« sie treten. Daß das Selbstbestimmungsrecht nicht verabsolutiert werden könne, war auch der beherrschende Gedanke der Inquisition und der Hexenverfolgungen - des größten Massenmordes in der europäischen Geschichte. *UNTERSCHRIFT: Augsburg HANS HENNING ATROTT Präsident der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben e.V.

Der Psychiater Klaus Dörner behauptet, auch ich »folge derselben seit 100 Jahren wirksamen Mentalität, der auch die ,modernen' Nazis gefolgt sind«. Das ist unwahr und unfair. Mit Anstand kann man über die Frage, ob Ärzte auch töten dürfen, nicht diskutieren, wenn man drei total verschiedene Dinge in einen Topf wirft: Nazi-Behindertenmord, Mißgeburt-Tötung (ein häßliches, aber treffendes Wort) und erflehte Erlösungstodhilfe wegen hoffnungsloser Krankheitsfolter. Wer Nazi-Behindertenmord mit Erlösungstodhilfe auch nur zu vergleichen versucht, hat sich bereits disqualifiziert. Sicher gilt das nicht für die Mißgeburt-Tötung. Darüber muß man ohne Schändungsgefahr streiten dürfen. Ich bin dagegen, weil mir die Nähe zum Mord zu groß ist. Sich mit »passiver Tötung« herausreden wollen beweist Unfähigkeit zu biologischem Denken oder Scheinheiligkeit. Zwischen passiver und aktiver Tötung gibt es keinen moralischen Unterschied. Lebenshilfe verweigern kann Mord, die Todesspritze geben Liebesdienst sein. Gestatten Sie mir nur eine öffentliche Frage, Kollege Dörner: Wenn meine Patientin Hermy E. Ihre Mutter gewesen wäre, hätten Sie sie in größter Folterqual um Wochen bis Monate weiterleben lassen, obwohl sie Sie immer wieder um Erlösungstodhilfe angefleht hat? Ja, Sie hätten! Mitleidstötung aus Selbstmitleid?! So abgrundtief kann nur ein Psychiater analysieren, der mit Schwerst-Krebskranken nie in Berührung gekommen ist. *UNTERSCHRIFT: Riedering-Spreng (Bayern) PROF. DR. JULIUS HACKETHAL
*BRIEFE *ÜBERSCHRIFT:

Mitarbeiter im Bild *EINLEITUNG: (Nr. 33/1989, SPIEGEL-Titel: Explodiert die DDR?) *

Das auf Seite 25 wiedergegebene Bild mit der Unterschrift »DDR-,Festsetzer' in Bonns Ständiger Vertretung: Frei zu Honeckers Geburtstag?« - stellt nicht DDR-Bürger dar. Hierbei handelt es sich um Mitarbeiter der Ständigen Vertretung. *UNTERSCHRIFT: Berlin EBERHARD GRASHOFF Pressereferent der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der DDR
*BRIEFE *ÜBERSCHRIFT:

Hohle Nuß *EINLEITUNG: (Nr. 34/35/1989, Stars: Der Mythos Hans Albers) *

Hans Albers ist unvergessen. Dieser Mann war ein großartiger Schauspieler, eine starke Persönlichkeit. Ja, Hans Albers besaß Charakter, er rettete über die »1000 Jahre« die Ehre der deutschen Filmkünstler! *UNTERSCHRIFT: Ubstadt (Bad.-Württ.) KARL SERDEN

Albers hätte den Nazis einen schweren Schlag versetzt und alle human denkenden Menschen ermutigt, wäre er mit seiner jüdischen Freundin, der Schauspielerin Hansi Burg, nach England oder Amerika emigriert und hätte sie dort in aller Öffentlichkeit geheiratet. Statt dessen entstand der Eindruck: Er macht mit. Nichts stört ihn. Dadurch wurden die Deutschen ruhig gestellt, was für die Nazis wichtig und nützlich war. Dafür ließen sie ihn im privatem Kreis schimpfen. *UNTERSCHRIFT: München KADIDJA WEDEKIND

Der blonde Hans hatte wohl weniger zu »sich selbst gefunden« als zu seiner Rolle. Im Grunde war er nicht sehr erlebnisfähig; ein Schriftsteller der »Hamburger Autorenschule« rühmte sich, von Albers öfters aufgefordert worden zu sein, ihm zu erzählen, was er nun »wieder erlebt haben« solle. Selber eingefallen sei dem Schauspieler nicht viel mehr als ein Leibspruch: »Otto, Otto!« Insofern, als Hans Albers eine hohle Nuß war, die sich toll als volle geben konnte, hatte er vielleicht doch manches mit den Nazis gemein, wie Klaus Mann ihm bescheinigte. *UNTERSCHRIFT: Filderstadt (Bad.-Württ.) EDMUND DOLLACKER

Einer Teilauflage dieser SPIEGEL-Ausgabe ist eine Beilage der Firma Dr. Egon Müller Verlagsbuchhandel, Seefeld, beigelegt.
*BRIEFE *ÜBERSCHRIFT:

Müder Hopper? *EINLEITUNG: (Nr. 35/1989, Neues SPIEGEL-Layout) *

Zum neuen Layout: Das ist ja entsetzlich! *UNTERSCHRIFT: Kassel ILSE ASEMISSEN

Wir gratulieren zum endlich erreichten Stern-Niveau! Zwei entsetzte, langjährige SPIEGEL-Leser! *UNTERSCHRIFT: Stuttgart M. CORSA und R. GRADMANN

Life-Style für Yuppies scheint jetzt das neue Konzept zu sein. Unmöglich! *UNTERSCHRIFT: Wiesbaden MICHAEL KUBERCZYK

Kurzum - ich finde das neue Aussehen grauslich! *UNTERSCHRIFT: Hamburg CHRISTINE HÖHN

Mies, ganz mies! Ich bin schockiert: der SPIEGEL auf dem Weg zur »Illu«! Heimatlose sind wir, Entwurzelte. Und nun noch das SPIEGEL-Layout. Woran sollen wir uns denn noch halten? *UNTERSCHRIFT: Sarstedt (Nieders.) EDITH BAAKE

Das neue »Layout« finden wir gut! Übersichtlich und leichter lesbar. Sie haben dabei sicher auch an Ihre Von-Anbeginn-Leser gedacht, deren Augen nun alt geworden sind. Vielen Dank! *UNTERSCHRIFT: Schleswig BARBARA und HANS MARTIN KROHN 78 und 85 Jahre

Das neue Layout ist gut! Wirklich! Sehr gut: daß weiter alles Schwarzweiß ist. Schlecht: Die Fernseh-Vorschau ist ein einziges Chaos. Hier war die alte Lösung besser. *UNTERSCHRIFT: Köln ANJA HEUSER

Das neue Layout hat dem SPIEGEL sehr gut getan. *UNTERSCHRIFT: Düsseldorf HARTMUT ESSER Schriftsetzer

Glückwunsch zum neuen Layout! »Franklin Gothic« macht »Das Deutsche Nachrichten-Magazin« in der Tat überschaubarer. *UNTERSCHRIFT: Duisburg DIETER DRÜEN

Warum so halbherzig ins neue Outfit? Da hatte man schon letztes Jahr ein paar Seiten von Neville Brody gestalten lassen, und der Leser konnte staunen, wie der alte Herr (SPIEGEL) auch noch aussehen könnte. Gut, ich würde auch nicht gerne in einem solchen Layout die Artikel suchen wollen, aber ein bißchen frischen Wind in die Seitengestaltung konnte man sich danach gut vorstellen. Daß es dann ein solch müder Hopper wird, hätte ich jedoch nicht erwartet. *UNTERSCHRIFT: Frankfurt WALTHER NEU

Ich hoffe, Sie sehen das neue Layout nicht als der Weisheit letzten Schluß an. *UNTERSCHRIFT: Münster HOLGER URMONEIT

»Wir wollen unsern alt-gestylten SPIEGEL wieder ham . . .« *UNTERSCHRIFT: Berlin WILHELM GÜNTHER SCHÜLER

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