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AFFÄREN Morddrama im Vatikan: War Sex das Motiv?

aus DER SPIEGEL 7/1999

Waren der Oberst Alois Estermann, der unter mysteriösen Umständen ermordete Chef der päpstlichen Schweizergarde, und sein mutmaßlicher Mörder, Vizekorporal Cédric Tornay, ein Liebespaar? Das behauptet der römische Kunstkritiker Massimo Lacchei in einem Buch über homosexuelle Beziehungen in Rom ("Verbum Dei et Verbum Gay"). Lacchei widerspricht damit dem gerade präsentierten Untersuchungsbericht des Heiligen Stuhls. Dem zufolge soll Tornay - wegen einer Zyste im Gehirn - am Abend des 4. Mai 1998 partiell außer Kontrolle geraten sein, das Ehepaar Estermann erschossen und anschließend sich selbst getötet haben. Motiv: Er sei auf den Chef wütend gewesen, weil dieser ihm die Beförderung versagt habe. Sexuelle Hintergründe wurden von einem päpstlichen Sprecher ausgeschlossen. Lacchei weiß es anders. Er sagt, er habe das Pärchen im Haus eines Ex-Politikers kennengelernt. Beide hätten ihm von ihrer Liebe berichtet, von einem Urlaub in Amsterdam, wo sie sich für 24 Stunden mit Handschellen aneinandergekettet hätten. Sie hätten über Estermanns (Schein-) Ehe geklagt und über die Last, ihr Verhältnis verbergen zu müssen. Der Autor mutmaßt, das Paar könnte - gemeinsam mit Estermanns Ehefrau - von einem Unbekannten getötet worden sein. Dafür spreche, daß vier Gläser auf dem Tisch standen, als die drei Leichen gefunden wurden. Möglicherweise hätten Estermann und Tornay zu intime Kenntnis vom Privatleben hoher römischer Würdenträger gehabt.

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