Zur Ausgabe
Artikel 6 / 48

MORITZ GRÜNBART

aus DER SPIEGEL 11/1960

MORITZ GRÜNBART ist im Jahre 1920 in Breslau geboren und im polnischen Lodz unter Juden, Volksdeutschen, Polen und Ukrainern aufgewachsen. Nach der Eroberung von Lodz 1939 flüchtete seine Familie nach Kielce. Dort blieb Moritz Grünbart bis März 1941. Die Familie lebte in dem von den Deutschen eingerichteten Getto.

Gemeinsam mit zwei gleichaltrigen Freunden versuchte Grünbart über die deutsch-sowjetische Demarkationslinie in die Sowjet-Union zu flüchten, wo er glaubte, als Jude sicherer leben zu können. Er wurde jedoch von den sowjetischen Grenzwachen aufgegriffen und als spionageverdächtig ins Gefängnis des Grenzorts Rawaruska eingeliefert. Vierzehn Tage später wurde er ins Lemberger Brigittka-Gefängnis überstellt.

Dort entging Grünbart nach Ausbruch des deutsch-sowjetischen Krieges nur durch Zufall den Lemberger Morden und kehrte zu seiner Familie noch Kielce zurück. Seine Eltern und Geschwister wurden später in Konzentrationslagern ermordet.

Moritz Grünbart kam in einen Rüstungsbetrieb noch Oberschlesien, dann in ein Konzentrationslager. Kurz vor der Kapitulation wurde er auf einem KZ-Transport von einem SS-Wächter durch einen Bajonettstich schwer verletzt. Bald darauf wurde er durch die Sowjettruppen befreit und im April 1945 in ein Berliner Hospital gebracht. Seit 13 Jahren lebt Moritz Grünbart als Kaufmann im Rheinland.

Zur Ausgabe
Artikel 6 / 48
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.