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MOSKAU-BOTSCHAFTER.

aus DER SPIEGEL 40/1967

Außenminister Brandt sucht noch immer vergeblich nach einem fähigen Mann, der Anfang nächsten Jahres den Botschafterposten in Moskau übernehmen könnte. Brandt möchte den Sowjets als Nachfolger des pensionsreifen Gebhardt von Walther eine Persönlichkeit präsentieren, »durch die sie sich ausgezeichnet fühlen«. Zunächst dachte der Minister an die Entsendung des Hamburger Atomphysikers Professor Carl Friedrich Freiherr von Weizsäcker, 55, der jedoch ablehnte. Zweiter Kandidat war der frühere Indien-Botschafter Georg Ferdinand Duckwitz, 62, der nach seiner Amtszeit in Neu-Delhi vorzeitig in den Ruhestand getreten war und eigens für Moskau reaktiviert werden sollte. Duckwitz zeigte sich interessiert, aber sein Arzt legte Veto ein. Brandt erwägt nun, ob er das Amt dem Osthandels-Experten und Amateur -- Diplomaten Berthold Beitz, 53, antragen soll. Beitz, Testamentsvollstrecker und Vermögensverwalter Alfried Krupps, hat im Krieg als Ölkaufmann in Polen viele Juden vor dem KZ gerettet. In den letzten Jahren hat er zahlreiche Wirtschaftsgespräche im Ostblock geführt und ist dabei zu einem der bestgelittenen kapitalistischen Verhandlungspartner der Kommunisten avanciert; er ist zudem mit Spitzenpolitikern mehrerer kommunistischer Staaten persönlich bekannt.

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