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BALTIKUM Moskau lockt

aus DER SPIEGEL 12/2001

Russlands Präsident Wladimir Putin strebt bessere Beziehungen zu den baltischen Republiken an. Vor gut einem Monat traf er sich mit Lettlands Präsidentin Vaira Vike-Freiberga am Rand seines Staatsbesuchs in Österreich und betonte die Bereitschaft, »jedes Problem zu lösen«. Für den 29. März hat Putin nun seinen litauischen Amtskollegen Valdas Adamkus offiziell nach Moskau eingeladen. Wesentlicher Grund dieser diplomatischen Offensive, so litauische Diplomaten, ist der Wunsch nach intensiveren wirtschaftlichen Beziehungen mit zukünftigen EU-Mitgliedstaaten. Russland ist auf die eisfreien Häfen der Ostsee angewiesen; über den lettischen Hafen Ventspils wird etwa ein Fünftel des russischen Erdöls exportiert. Außerdem soll der russische Energiekonzern Lukoil an der litauischen Erdölraffinerie Mazeikiai interessiert sein. Die baltischen Republiken wiederum sind von den Öl- und Gaslieferungen des mächtigen Nachbarn abhängig. Die Aussicht auf intensivere Handelskontakte könnte freilich auch ein russisches Lockmittel sein, um Estland, Lettland und Litauen zu bewegen, auf eine Nato-Mitgliedschaft zu verzichten, die Moskau kategorisch ablehnt. Wohl deshalb weigert sich der Kreml bisher, mit den ehemaligen Sowjetrepubliken endgültige Grenzverträge abzuschließen. Das ist eine Forderung der Nato an die künftigen Mitgliedstaaten.

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