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Moskau öffnet Nordost-Passage

aus DER SPIEGEL 32/1990

Mit Hilfe norwegischer, englischer und amerikanischer Experten plant die UdSSR, eine der am schwierigsten zu befahrenden Schiffahrtsrouten der Welt zu öffnen: die 5500 Kilometer lange Nordost-Passage vor der Nordküste der Sowjetunion zwischen Archangelsk am Weißen Meer und dem Pazifik. Der fast immer mit Packeis bedeckte Seeweg konnte bisher nur von sowjetischen Konvois, unter Eisbrecher-Hilfe, durchfahren werden - und auch das allein in den Sommermonaten. Nun aber will Moskau die Passage ganzjährig und auch für den internationalen Seeverkehr freigeben. Die Vorbereitungen dazu treffen das Fridtjof-Nansen-Institut in Oslo und das Leningrader Zentralinstitut für Meeresforschung. Zunächst soll Ende August ein Konvoi in die Nordost-Passage auslaufen, begleitet von dem atomgetriebenen Eisbrecher »Taimyr«. Dabei sollen Studien über die Wirkungen des Schiffsverkehrs auf die fragile Eiswelt jenseits des Polarkreises erstellt werden, da sich künftig auch Supertanker in das Packeis wagen sollen. Moskaus neuer Kurs in den Gewässern würde mit einem Verzicht auf Hoheitsrechte einhergehen, die von der UdSSR sieben Jahrzehnte lang erhoben worden sind. Der Wasserweg wurde 1932, erstmals ohne Überwinterung, von dem deutschen Ozeanographen Otto Schmidt an Bord eines Eisbrechers passiert. Ein Jahr später endete Schmidts Versuch, auf einem Handelsschiff die Beringstraße zu erreichen, mit einem Desaster: Schmidts Frachter wurde von Packeis zermalmt.

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