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ARMENIEN Moskaus Vorposten

aus DER SPIEGEL 41/2003

Russland verstärkt massiv den Einfluss bei seinem südlichsten Verbündeten in der Transkaukasus-Region. Um Schulden gegenüber Moskau in Höhe von rund 80 Millionen Euro abzubauen, hat Armenien fünf Großbetriebe, darunter das 24 Kilometer von der Hauptstadt Eriwan entfernt liegende einzige Atomkraftwerk des Landes, an Russland übergeben. Das zu sowjetischen Zeiten in dem erdbebengefährdeten Land errichtete AKW gehört jetzt dem russischen staatsnahen Stromkonzern Rao Jes. Vergebens hatte die Europäische Union eine Stilllegung des Meilers gefordert. Um das 3,2 Millionen Einwohner zählende Armenien, das als Armenhaus des Transkaukasus gilt, noch enger an Russland zu binden, lädt der russische Vizepremier und Putin-Intimus Boris Aljoschin armenische Geschäftsleute zum Jahresende zu einem großen russisch-armenischen Wirtschaftskongress nach Moskau ein. Außerdem verstärken die Russen ihre militärische Kooperation mit der christlichen Republik, in der sie eine Militärbasis und Grenztruppen stationiert haben. Ende September ratifizierte das Parlament in Eriwan einen Vertrag über die gemeinsame Nutzung von Militärobjekten. Mitte September endete eine »taktische Übung« der armenischen und russischen Streitkräfte in der Nähe der armenischen Stadt Armawir. Armeniens Schulterschluss mit dem mächtigen Nachbarn soll vor allem Aserbaidschan abschrecken. Dessen Politiker und Militärs drohen immer wieder mit einer gewaltsamen »Befreiung« der von Armenien kontrollierten, international nicht anerkannten Republik Berg-Karabach auf dem Territorium Aserbaidschans.

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