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Männergewalt »Motivierte Täter«

aus DER SPIEGEL 1/1996

SPIEGEL: Frau Buchwald, Häuser für mißhandelte Frauen gibt es viele. Sie wollen jetzt ein Haus für prügelnde Männer einrichten. Haben Sie Mitleid mit den Tätern?

Buchwald: Nein. Aber ich will Männern, die ihre Frauen schlagen, ein Angebot zur Hilfe machen. Es ist nicht einzusehen, daß immer die Frau als Opfer unfreiwillig die gemeinsame Wohnung verlassen muß und ins Frauenhaus flüchtet. Statt dessen können doch auch die Täter ausziehen.

SPIEGEL: Glauben Sie denn tatsächlich, daß solche Männer reumütig in einem Männerhaus Quartier beziehen?

Buchwald: Reumütig vielleicht nicht, aber freiwillig. Ich hatte auch schon Anfragen von Frauen und Sozialarbeiterinnen, die Männer soweit gebracht hatten, daß sie bereit waren, die gemeinsame Wohnung zu verlassen. Ein gewisser Druck ist eben manchmal nötig. Es ist auch vorstellbar, daß Männer durch Bewährungsauflagen zum Einzug motiviert werden.

SPIEGEL: Zwangsweise soll also niemand eingewiesen werden?

Buchwald: Nein, schließlich sollen die Männer in Beratungsgesprächen und Selbsthilfegruppen lernen, die Verantwortung für ihre Taten zu übernehmen und Konflikte gewaltfrei zu lösen. Im Alltag mit anderen können sie dann das friedliche Zusammenleben einüben. Das geht nur mit motivierten Tätern.

SPIEGEL: Wann zieht der erste Schläger ein?

Buchwald: Wenn die Finanzierung steht. Ein passendes Haus haben wir bereits gefunden. Der Verein »Mannsarde« wird als Betreiber fungieren. Auch der politische Wille des Senats ist vorhanden. Er muß rund 500 000 Mark pro Jahr bewilligen. Notfalls treiben wir auch mit spektakulären Aktionen Geld für das Projekt auf. Ich will den Boxer Henry Maske für eine Benefizveranstaltung unter dem Motto »Schlage nur Gleichstarke« gewinnen.

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