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MODERNES LEBEN Musikalisches Wirtschaftswunder

aus DER SPIEGEL 42/1992

Guter Service macht sich bezahlt - wovon der Wirt Dexter Weaver aus Athens im US-Staat Georgia ein Lied singen kann: Der Elan seiner Angestellten, die jede Bestellung mit einem zackigen »Automatic« quittieren, hat die örtliche Rockband zu einem Plattentitel inspiriert. »Automatic for the People« heißt das neueste Album von R.E.M., für die sich guter Service endlich auch bezahlt gemacht hat. 1991 war dem Quartett der verdiente Sprung in die Hitparaden gelungen - die LP »Out of Time« fand weltweit zehn Millionen Käufer. Mit dem dieser Tage erschienenen Nachfolger dürften sich R.E.M. nun endgültig als Superstars etablieren: »Automatic for the People« ist eine wirklich neue Symbiose aus Konvention und Kreativität, aus Kommerz und Avantgarde - charmant und chaotisch, elegant und elegisch, zartfühlend und zynisch zugleich. Eine Reise durch die Genres, ein Spiel mit den Klischees: Streicher umschmeicheln simple Rock-Songs, Rückkopplungsgedröhn verfremdet sachte Balladen, kryptische Lyrik spottet beschwingten Country-Klängen, und die erste Single-Auskopplung nennt sich »Drive« - obwohl, wie Schlagzeuger Bill Berry treffend anmerkt, »der Song überhaupt nicht richtig losgeht«.

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