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Muster der Gewalt

aus DER SPIEGEL 1/1996

Terror, Geiselnahme, Attentat - im Nahen wie im Fernen Osten trugen sich die Tragödien auch im Jahre 1995 nach den überkommenen Mustern der Gewalt zu. Jizchak Rabin, der erste israelische Ministerpräsident, der den Teufelskreis von Aggression und Vergeltung zu unterbrechen vermochte und den Weg für einen Frieden mit den Palästinensern öffnete, fiel einem Anschlag zum Opfer - und es war, was undenkbar schien, ein religiöser Jude, der ihn umbrachte. Nicht minder heftig war der Schock, der Japan traf, als Anhänger einer fanatischen Sekte mitten in Tokio das nicht einmal im Zweiten Weltkrieg angewendete Nervengift Sarin freisetzten (12 Tote, über 5000 Verletzte).

Und wieder loderten ethnische oder religiöse Konflikte auf, so in Sri Lanka, wo Singhalesen mit Tamilen kämpfen; so in Kaschmir, wo Separatisten gegen die Inder rebellieren. Eine Gruppe junger Ausländer, darunter ein Deutscher, geriet dabei in Geiselhaft.

Frankreichs neuer Präsident Chirac war trotz weltweiter Empörung nicht davon abzubringen, im Südpazifik Atombomben zünden zu lassen. Kriegsschiffe schirmten die Nuklearversuche ab und hielten die kleine Flotte, auf der sich der internationale Protest eingeschifft hatte, auf Distanz. Auch die sturmerprobten Greenpeace-Aktivisten hatten keine Chance. Ihr Flaggschiff »Rainbow Warrior II« wurde von französischen Kommandos geentert und außer Gefecht gesetzt.

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