Zur Ausgabe
Artikel 3 / 34

Mutterland

aus DER SPIEGEL 16/1952

Auf dem »2. Salon du Jazz« in Paris beschlossen die Jazz-Vertreter der westlichen Hemisphäre die Gründung einer »International Federation of Jazz« im Rahmen der UNESCO. Mitglied werden alle Staaten sein, in denen bereits eine nationale Jazz-Federation besteht.

+

Damit werden die Vereinigten Staaten von Amerika zum ersten Male in einer Organisation der UN bzw. der UNESCO nicht vertreten sein. Das Mutterland der Jazzmusik hat keine Jazz-Organisation.

Trotzdem wollen die europäischen Jazz-Delegierten nicht auf die angetragene UN-Würde verzichten. Henry Kahn, der Vertreter Großbritanniens, stellte der einladenden UNESCO-Kommission die Schicksals-Frage: »Würde die UNESCO auch dann eine Internationale Jazz-Federation bilden, wenn die USA nicht darin vertreten sein könnten?« UNESCO-Delegierter Dr. Laufer anwortete positiv.

+

Die Paris-Fahrten der europäischen bands zum »2. Salon du Jazz« wurden zumeist von den großen Schallplattenfirmen finanziert. Die deutsche Schallplattenindustrie war die einzige, die sich nicht zur Mitwirkung hatte entschließen können, obwohl Deutschland nächst Frankreich und England den größten Umsatz an Jazz-Schallplatten

in Europa hat. Die Ehre des deutschen Jazz rettete der Südwestfunk. Er präsentierte die abwesenden deutschen Spitzenbands wenigstens auf Tonband, mit sensationellem Erfolg. Als Gegenleistung erhielt der SWF das Recht, sämtliche Konzerte des »Salon du Jazz« zu übertragen.

Zur Ausgabe
Artikel 3 / 34
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.