Leichenfund Militär in Myanmar soll mehr als 30 Zivilisten getötet haben

In Myanmar ist es offenbar zu einer neuen Gewalttat gekommen. Menschenrechtsaktivisten melden den Fund zahlreicher verkohlter Leichen, unter ihnen auch Kinder. Es soll sich um Dorfbewohner auf der Flucht handeln.
Ausgebrannte Fahrzeuge in Hpruso am 24. Dezember 2021

Ausgebrannte Fahrzeuge in Hpruso am 24. Dezember 2021

Foto: Uncredited / dpa

In Myanmar sind laut Informationen von örtlichen Menschenrechtsaktivisten und Medienberichten die verbrannten Leichen von etwa 35 Menschen gefunden worden. Bei den Opfern handele es sich um Zivilisten, die wegen Kämpfen aus ihren Dörfern fliehen wollten, sagte ein Mitglied der Menschenrechtsgruppe Karenni Human Rights Group, das anonym bleiben wollte, der Deutschen Presse-Agentur.

Die Menschen seien von Soldaten der Militärjunta festgenommen und getötet worden, fügte der Menschenrechtsaktivist hinzu. Er gab an, die verkohlten Körper selbst gesehen zu haben. Unter den Opfern seien auch Frauen und Kinder gewesen. Der Vorfall habe sich am Freitag im Bundesstaat Kayah im Osten des Landes ereignet. Die Karenni sind eine ethnische Gruppe im Vielvölkerstaat Myanmar.

Gleichlautende Angaben von Einheimischen sowie entsprechende Medienberichte aus Myanmar können nicht unabhängig überprüft werden. Die Organisation Myanmar Witness, die nach eigenen Angaben Beweise für Menschenrechtsverletzungen in dem Land sammelt, bestätigte ein Feuer am Freitag um 13.18 Uhr (Ortszeit), gab aber nicht die Ursache dafür an. Ein weiteres Mitglied der Karenni Human Rights Group sagte unter Berufung auf Einheimische, dass die Junta in der Nähe des Dorfes Mu So in der Gemeinde Hpruso verbrannte Leichen zurückgelassen habe.

»Wir fanden einige verbrannte Leichen mit auf dem Rücken gefesselten Händen. Unsere Leute wurden brutal getötet«, sagte ein Mitglied der lokalen Widerstandsgruppe der Deutschen Presse-Agentur. »Die Zivilisten wurden hier kollektiv verbrannt.« Er fügte hinzu: »Einige Menschen, bevor sie starben.«

Ein Vertreter der gegen die regierende Militärjunta kämpfenden Rebellengruppe People's Defence Forces (PDF) sagte der Nachrichtenagentur AFP, dass ihre Kämpfer die Fahrzeuge gefunden hätten. Darin seien 27 Leichen gewesen. Ein anderer Zeuge sagte, dass »27 Schädel« entdeckt worden seien, »aber es gab noch weitere Leichen in dem Lastwagen, die so verkohlt waren, dass wir sie nicht zählen konnten«.

Militärzeitung schreibt von »Terroristen«

Die vom Militär kontrollierte Zeitung »The Mirror Daily« berichtete, dass es am Freitag zu Kämpfen zwischen Militärangehörigen und lokalen Widerstandskämpfern in der Gemeinde Hpruso gekommen sei. Dabei seien sieben Lastwagen mit »Terroristen«, wie das Militär die lokalen Widerstandskräfte nennt, beschossen worden.

Ein Sprecher der Junta sagte, dass es am Freitag in Hpruso Zusammenstöße gegeben habe, nachdem Soldaten versucht hätten, sieben »verdächtige« Autos anzuhalten. Mehrere Menschen seien getötet worden, sagte der Sprecher, ohne Einzelheiten zu nennen.

Das frühere Birma versinkt seit einem Putsch im Februar in Chaos und Gewalt. Das Militär hatte die faktische Regierungschefin Aung San Suu Kyi entmachtet und regiert seither mit eiserner Faust. Jeder Widerstand wird mit brutaler Härte unterdrückt. In vielen Teilen des südasiatischen Landes haben sich lokale bewaffnete Einheiten gebildet, um Widerstand gegen die Junta zu leisten. Immer wieder gibt es Berichte über schwere Menschenrechtsverletzungen in dem Krisenland.

Seit dem Putsch gab es landesweit Proteste, bei deren Niederschlagung mehr als 1300 Menschen getötet und mehr als 10.000 festgenommen wurden. Im Land kämpfen mehr als 20 Rebellengruppen gegen das Militär.

dab/dpa/AFP