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Briefe

Na sdorowje!
aus DER SPIEGEL 16/1975

Na sdorowje!

(Nr. 13/1975, Wien)

Wenn man Euren Artikel über die »Kaiserstadt« liest, so gibt"s nur zwei mögliche Reaktionen: Entweder man sagt auf gut preußisch »Mann, nehmt ihr die Schnauze voll!« oder auf gut wienerisch »Kinder, seid's ihr goschert!« Ihr könnt beruhigt sein: Wien ist ebensowenig »eine einzige Spanische Hofreitschule sozusagen« wie Euer Bonner Staat der Inbegriff des »furor teutonicus«. Im übrigen: besser eine zu groß gewordene Hauptstadt für ein klein gewordenes Österreich als eine Pseudo-Weltstadt in einer Möchtegern-»Weltmacht« (SPIEGEL-Titel) namens -- kriegs- und teilungsbedingt -- »Rumpfes"republik Deutschland. »Die weinseligen Stadtpolitiker« die allabendlich in Grinzing beim Heurigen« sitzen -- stimmt nicht, nicht allabendlich aber auch nicht nur in Grinzing -- zeugen höchstens von Psychologie. Hätte Euer Konrad mit den Russen mehr gesoffen und etwas weniger den Abendlandverteidiger gespielt, so stündet Ihr heute vielleicht anders da und manche Zeitung brauchte sich nicht darum zu mühen, ob Ihr Eure Ost-Brüder mit oder ohne Anführungszeichen schreiben sollt. Nix für ungut, Leute.

Wien MAG. THEODOR FAULHABER

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