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Briefe

Nach Belieben
aus DER SPIEGEL 46/1980

Nach Belieben

(Nr. 43/1980, Brasilien: Mit Keulen erschlugen brasilianische Indianer mehr als zwei Dutzend Weiße - Rache für die Zerstörung der letzten Indianerreservate)

Zu Ihrem außerordentlich aktuellen und präzisen Bericht über die mangelhafte Indianerschutz-Politik in Brasilien folgendes:

Wir konnten während der Aufnahmen zu einer Dokumentation (ZDF) im Bereich des Amazonas-Oberlaufs (Rio Solimoes, Rio Javari, Rio Ica) die Überreste der von Marubo-Indianern erschlagenen Waldarbeiter filmen.

Nach unseren Feststellungen geschah dies auf einer Sandbank nahe Atalaia do Norte, auf welcher wir zwei Tage zuvor übernachtet hatten, und zwar auf der Flucht vor denselben Marubo-Indianern vom Rio Javari.

Unser Vordringen wurde auf folgende Weise verhindert: Funai-Beauftragte wiesen die noch kaum »zivilisierten« Marubo-Indianer an, mit uns bei unserer Ankunft nach Belieben zu verfahren.

Klartext: Die Indianer betranken sich mit »Kaisuma« (Mandiokagebräu), bemalten sich mit roter Farbe und hielten Kriegsrat, der glücklicherweise noch nicht abgeschlossen war, als wir ankamen. Noch gehemmt durch ihre natürliche Höflichkeit, ließen uns die Marubos mit einem Keulenschlag auf die Kamera davonkommen.

Wie wir später erfuhren, wird diese Terror-Strategie vor allem gegen die kleinen brasilianischen Edelholzschläger angewandt, während die allmächtige Indianerschutzbehörde mit den multinationalen Großfirmen harmonisch zusammenarbeitet. (Anbei ein Photo der Überreste der von den Marubos getöteten Holzfäller.)

Sao Paulo (Brasilien) WOLF GAUER JORGE BODANZKY

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