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Briefe

Nach dem Gesetz der Kunst
aus DER SPIEGEL 48/1977

Nach dem Gesetz der Kunst

(Nr. 46/1977, Hitler: Der Historiker Maser glaubt einen im Ersten Weltkrieg gezeugten Sohn des Nazi-Führers aufgespürt zu haben)

Ganz allgemein vergleicht man in einem Vaterschaftsgutachten das Kind mit seiner Mutter einerseits, mit dem Präsumptivvater andererseits in einer großen Zahl von Merkmalen, von denen man weiß, daß sie weitgehend oder vollständig erblich bedingt sind.

In den letzten Jahren hat die Begutachtung durch Einbeziehen erblicher Merkmale des Blutes an Zuverlässigkeit erheblich gewonnen; im Falle Loret/Hitler ist das aber ohne Bedeutung, weil weder von Hitler noch von der verstorbenen Mutter von M. Loret Blutproben zur Verfügung standen. Es ist lediglich bekannt, daß Hitler die Blutgruppe A hatte; diese teilt er mit ungefähr 40 Prozent unserer Bevölkerung. Der entscheidende Passus unseres Gutachtens lautet:

Herr Loret konnte überschlägig nur in etwa 25 Prozent der Merkmale, die in der

Regel bei Vaterschafts-Begutachtungen untersucht werden, mit seiner Mutter und Adolf Hitler verglichen werden. Und zwar mußte dieser Vergleich nach Lichtbildern erfolgen, die insbesondere bei der Mutter anthropologische Merkmale durchweg nicht eindeutig erkennen ließen.

Es ergaben sich hierbei weder ein nennenswerter spezieller positiver Ähnlichkeitsgrad zwischen Herrn Loret und Adolf Hitler noch schwerwiegende Argumente gegen eine Abstammung des Herrn Loret von Adolf Hitler. Auch ein Vergleich solcher Merkmale, die ausschließlich bei Herrn Loret und Adolf Hitler beurteilt werden konnten, hat keine nennenswerten Übereinstimmungen zwischen den beiden Personen erbracht.

Hinzu kommt vor allen Dingen noch als ein erheblich weiterer Unsicherheits-Faktor die sehr große Anzahl von solchen Merkmalen, die lege artis bei Vaterschafts-Begutachtungen zusätzlich untersucht werden, im vorliegenden Fall jedoch für den Ähnlichkeitsvergleich ausfielen, da über die Ausprägungs-Formen derselben bei der Mutter und Adolf Hitler nichts bekannt war.

Bei dieser Sachlage läßt sich insgesamt »weder im positiven noch im negativen Sinne etwas darüber aussagen«, ob Herr Loret der Sohn von Adolf Hitler ist oder nicht.

Heidelberg PROF. DR. MED. F. VOGEL Direktor

DR. PHIL. DR. MED. C. STEFFENS Wissenschaftliche Mitarbeiterin Institut für Anthropologie und Humangenetik der Universität

* Die französische satirische Zeitschrift meldet exclusiv »Wir haben die Tochter Hitlers wiedergefunden«

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