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SCHWEIZ »Nach Jahrzehnten noch aktiv«

Kuno Sommer, 46, Chef des schweizerischen Pockenimpfstoff-Lieferanten Berna Biotech, über die Gefahren eines Terrorangriffs mit Pockenviren
aus DER SPIEGEL 2/2003

SPIEGEL: Wie wahrscheinlich ist es, dass Terroristen oder ein Land wie der Irak Pocken als Kampfstoff einsetzen können?

Sommer: Hunderte von Wissenschaftlern in aller Welt haben mit Pockenviren gearbeitet - auch, um biologische Waffen herzustellen. Das Schadenspotenzial wäre verheerend. Falls sie nicht geimpft ist, könnte man eine ganze Bevölkerung auslöschen.

SPIEGEL: Wie könnten sich Terroristen die Viren beschaffen?

Sommer: Theoretisch könnte man Tote ausgraben, die vor Jahrzehnten in kalter Erde bestattet wurden, etwa in Sibirien. Das Virus wäre immer noch aktiv. Wenn jemand an Pockenerreger herankommen will, dann kann er das.

SPIEGEL: Und wie könnten die Viren unbemerkt ins Ausland transportiert und dort verbreitet werden?

Sommer: Jemand müsste sich anstecken lassen oder eine Spraydose mit Viren als Waffe benutzen. Ein Selbstmordattentäter würde ins Ausland reisen und dort herumspazieren. Er muss nur mit der U-Bahn fahren, ein Kaufhaus besuchen oder ins Fußballstadion gehen.

SPIEGEL: Was geschieht dann?

Sommer: Die Viren verbreiten sich durch Tröpfcheninfektion - das macht sie so gemein und effizient. Husten oder Hände schütteln: das würde genügen.

SPIEGEL: Bei einer Inkubationszeit von zwei Wochen könnte er als äußerlich noch gesunder Passagier alle Kontrollen auf Flughäfen durchschreiten?

Sommer: Eindeutig ja.

SPIEGEL: Die USA lassen bereits jetzt Hunderttausende impfen, auch Deutschland hat bei Ihnen Impfstoff eingekauft - wie kommt es, dass der in Ihrer Firma noch existiert?

Sommer: Weil schon unser Vorgänger, das Schweizer Serum- und Impfinstitut, den Impfstoff bei minus 20 Grad jahrzehntelang gelagert hat. In der Schweiz wird nie etwas so einfach weggeworfen. Und zum Glück war kein Unternehmensberater da, der sparen wollte.

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