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RUSSLAND Narkotisierte Armee

aus DER SPIEGEL 39/1999

Wachsende Probleme mit drogensüchtigen Soldaten bereiten der Armeeführung zunehmend Kopfzerbrechen. Nach einer Untersuchung der russischen Militärstaatsanwaltschaft hat sich allein der aufgedeckte Drogenhandel in den Streitkräften zwischen 1996 und 1998 mehr als verdoppelt: Die Zahl nachgewiesener Fälle stieg von 256 auf 605. Eine vergleichbare Entwicklung registrierten die Militärs auch bei drogenbedingten Delikten innerhalb der Truppe; darunter sind immer mehr Gewalttaten. Im Tscheljabinsker Gebiet am Ural stellten die Militärärzte im vergangenen Jahr bei Rekruten viermal häufiger als noch 1996 Drogen- oder Medikamentenabhängigkeit fest. Besonders beunruhigend: Auch bei den Raketentruppen, welche die Atomwaffen unter Verschluss haben, nahmen die Drogenstraftaten um das Zweieinhalbfache zu, zudem mit steigender Beteiligung auch höherer Dienstgrade. Ursachen der zunehmenden »Narkotisierung der Armee«, so ein Staatsanwalt, seien ausbleibende Soldzahlungen sowie eine verschlechterte Ausbildung. Das Rauschgift, insbesondere Heroin, wird meist aus Mittelasien eingeschleust, nicht selten von Soldaten, die in Tadschikistan an der afghanischen Grenze Dienst tun.

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