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Bosnien-Einsatz Nato plant Abzug

aus DER SPIEGEL 4/1995

Der Nato-Oberbefehlshaber für Europa, George Joulwan, hat seine Planung für den möglichen Abzug der Blauhelm-Truppen aus Bosnien abgeschlossen. Ende voriger Woche ging sein rund 2000seitiges Papier im Bonner Verteidigungsministerium ein. Bereits am kommenden Mittwoch soll der Nato-Rat in Brüssel den Plan genehmigen, der auch die Teilnahme deutscher Tornado-Kampfflugzeuge, Sanitäts- und Marineeinheiten vorsieht.

Um den Uno-Rückzug mit mehr als 20 000 Nato-Soldaten sichern zu können, so Joulwan, benötige er eine Vorlaufzeit von mindestens zwei Monaten. Allein vier Wochen dauere der Aufbau eines Fernmeldenetzes. So müßten in dieser ersten Phase »schlafende Satelliten« aktiviert und Bodenstationen eingerichtet werden.

Zugleich sollen Vorauskommandos des Schnellen Eingreifkorps der Nato (ARRC) Stabsquartiere in Sarajevo und anderen Orten des Bürgerkriegslandes vorbereiten. Schon dabei werden die Deutschen gefordert: Dem ARRC-Stab in Mönchengladbach gehören auch zahlreiche Bundeswehr-Soldaten an.

In einer zweiten Phase von ebenfalls vier Wochen würden dann die Nato-Kampfverbände samt Material in Bereitstellungsräume außerhalb Bosniens einrücken und Schiffe für die Evakuierung in der Adria stationiert. Allein der zweimonatige Aufmarsch, so schätzt Joulwan, werde 120 Millionen Dollar kosten.

Das Bonner Verteidigungsministerium fürchtet den Streit um den Einsatz deutscher Soldaten im ehemaligen Jugoslawien und spielt auf Zeit. Es sträubt sich dagegen, die Aufmarschpläne schon jetzt in Kraft zu setzen. Noch sei völlig offen, ob die Blauhelme tatsächlich abgezogen werden müssen.

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