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TV-ABSCHIED »'ne tolle Show gemacht«

Rudi Carrell, 68, Showmaster und Produzent, über sein Karriereende, subversive Shows und das Alter seines Witzes
aus DER SPIEGEL 52/2002

SPIEGEL: Ende 1979 wollten Sie schon einmal mit dem Fernsehen aufhören. Ist es Ihnen diesmal ernst?

Carrell: Ja. Damals war »Am laufenden Band« fertig und ich auch. Von 450 Spielen in sechs Jahren hatte ich 400 erfunden. Ich hatte geschworen: Nie wieder Fernsehen. Das hab ich auch ein Jahr geglaubt, bis es wieder losging ...

SPIEGEL: ... mit »Rudis Tagesshow«. Es gab Zeiten, da galt die Sendung geradezu als subversiv. Per Montage ließen Sie Ayatollah Chomeini Höschen und Büstenhalter zuwerfen.

Carrell: Ich hatte das damals unterschätzt. In Teheran waren 10 000 Menschen mobilisiert worden, das Goethe-Institut musste schließen, zwei Mitarbeiter der deutschen Botschaft wurden ausgewiesen, meine Frau konnte nur mit Polizeischutz ins Kino - alles wegen eines zehn Sekunden langen Gags. Ich glaube, die Iraner wollten damals auch Waffen von Deutschland haben und nutzten das als Druckmittel. Aber nach einer Woche haben wir wieder 'ne tolle Show gemacht.

SPIEGEL: Sie wurden 1965 von Radio Bremen nach Deutschland engagiert, weil Ihre Show in den Niederlanden so billig war.

Carrell: Hier war alles sehr aufwendig, mit Showtreppe, Orchester und Riesenballett. Ich machte Gags mit der Streichholzschachtel, eine Show kostete nur 65 000 Mark.

SPIEGEL: Kommt Ihnen Ihr Humor mitunter nicht selbst alt vor?

Carrell: Nein, denn in den vergangenen sieben Jahren haben wir uns in der Sendung »7 Tage - 7 Köpfe« ja nur um Aktualität gekümmert. Aber natürlich greife ich bei Sketchen zurück auf mein Archiv, wo 42 Jahre Fernsehen drin sind.

SPIEGEL: Warum können die Deutschen von Ihnen bis heute nicht genug kriegen?

Carrell: Meine Stärke sind optische Gags - wie die Regen- und Sonnenlieder mit Heinz Erhardt -, und die sind zeitlos. Ich konnte auch über mich selbst lachen und habe am Ende der Shows immer selbst einen abbekommen, wie Kulenkampff von Martin Jente.

SPIEGEL: Trifft Sie der Vorwurf, dass Ihr Handwerkerwitz nicht sehr subtil ist?

Carrell: Jeder bleibt doch in seinem Rahmen. Außerdem macht es die Mischung: Bei »7 Tage - 7 Köpfe« sind wir so erfolgreich, weil von knallharter Satire bis zu Clownsgags alles drin ist.

SPIEGEL: Ist Ihre Nachfolge geregelt?

Carrell: Wir haben exzellente Comedians und Moderatoren. Aber der Beruf des Showmasters wird aussterben.

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