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Neonazis Nebenberuf V-Mann

aus DER SPIEGEL 28/1995

Der Münchner Neonazi Bela Ewald Althans, 29, der in Berlin wegen Volksverhetzung und Verbreitung von NS-Propaganda vor dem Landgericht steht, war zeitweise V-Mann des bayerischen Verfassungsschutzes. Althans berichtete ausführlich über die deutsche Neonazi-Szene und ihre internationalen Beziehungen, etwa nach Nordamerika und Rußland. Weil er gute Verbindungen unter Rechtsradikalen hatte und auch sehr mitteilsam war, galt er beim Verfassungsschutz als Spitzenquelle. Althans war Anfang der achtziger Jahre zu der (im Dezember 1983 verbotenen) Aktionsfront Nationaler Sozialisten Michael Kühnens gestoßen. Nach Kühnens Tod im April 1991 avancierte Althans zu einem der bekanntesten Aktivisten und Kundgebungsredner der Neonazis. Der Verfassungsschutz beendete die Zusammenarbeit mit ihm 1994 wegen »mangelnder Nachrichtenehrlichkeit«, so ein Verfassungsschützer. Seit November 1994 sitzt Althans im Untersuchungsgefängnis Berlin-Moabit. Die Berliner Staatsanwaltschaft wirft ihm vor allem nazistische Aussagen in dem von Winfried Bonengel gedrehten Dokumentarfilm »Beruf Neonazi« vor. Zu Beginn seines Verfahrens am vorigen Donnerstag behauptete Althans vor Gericht, er sei »kein Neonazi mehr«.

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