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RAKETENABWEHR Nette Idee

aus DER SPIEGEL 7/1999

Auf wenig Gegenliebe bei der Nato stoßen neue russische Überlegungen, gemeinsam mit europäischen Mitgliedern der Allianz ein System zur Abwehr ballistischer Raketen aufzubauen. Rußland würde gern sein S-300-Flugabwehrsystem so weiterentwickeln, daß dieses auch Raketen abschießen kann. Das sei zwar eine »nette Idee«, heißt es in der Brüsseler Zentrale der Allianz. Aber weder Rußland noch die europäischen Nato-Staaten seien auf absehbare Zeit in der Lage, die nötigen Milliardenbeträge aufzubringen.

Ohne Mitwirkung der USA, so Nato-Militärs, sei ein solches Projekt in Europa deshalb unrealistisch. Washington verweigert Deutschland und anderen Verbündeten zudem den Zugang zur nötigen Technologie. Verteidigungsminister Rudolf Scharping beklagte sich beim Deutschlandbesuch seines amerikanischen Kollegen William Cohen zwar darüber. Aber der konterte kühl, die Europäer müßten erst den Geheimschutz verbessern, um sicherzustellen, daß moderne Technik nicht in falsche Hände gerate.

Unter US-Vorbehalten leidet auch ein Gemeinschaftsprojekt mit Deutschland und Italien für ein neues System zur Abwehr von Flugzeugen und Raketen ("Meads"). Zugunsten »nationaler« Projekte strich der amerikanische Kongreß zunächst die Geldmittel. Nun bietet das Pentagon an, die Europäer sollten sich mit 150 Millionen Dollar an neuen Vorarbeiten beteiligen. Eine Garantie, daß sie dafür US-Technologie erhalten und die Abwehrraketen - so sie je gebaut würden - auch in Europa produziert werden dürfen, lehnt Washington indes ab.

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