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Neu in Deutschland

aus DER SPIEGEL 39/1954

DAS FLIEGENDE KLASSENZIMMER (Deutschland). Mit Handlung und Einfällen unter-, mit Gemüt überbelasteter Ausflug in ein Schulparadies, wo die Erzieher gütigweise Jugendfreunde sind und die rauhbeiniggoldherzigen Tertianer unkindliche Feuilleton-Weisheiten aufsagen. Regie führt Kurt Hoffmann, das Drehbuch (nach seinem Roman) schrieb Erich Kästner, der als eine Art betulicher Märchenonkel im etwas umständlichen Vor- und Nachspiel erscheint. Spielbare Rollen unter Erwachsenen wurden nur Paul Dahlke und Bruno Hübner zugebilligt. (Carlton.)

IHRE ERSTE ENTTÄUSCHUNG (England). Die Eifersucht einer hysterischen Lehrersgattin (Gene Tierney) treibt einen Backfisch (Glynis Johns) für drei Tage in die Flucht, woraus sich für alle Beteiligten langatmig diskutierte Komplikationen seelischer, beruflicher und krimineller Art ergeben. Schauspielerisch teils treffendes, teils überzeichnetes, sehr englisches Seelen- und Sittengemälde. (Rank.)

GESTÄNDNIS UNTER VIER AUGEN (Deutschland). Sorgsam gearbeiteter Kriminalfilm (Regie: André Michel), mit reichlichem Seelenballast und sehr wenig Spannung. Arrivierter Schieber, der gelegentlich betrügt und mordet (Ivan Desny), liebt eine Journalistin (Hildegard Knef), deren von ihm unterschlagenes Erbe den Grundstein seines Millionärdaseins bildet. Was das Publikum sofort erfahren hat, merkt die Geliebte leider viel zu spät. (Deutsche London Film.)

DIE ABENTEUER DER DREI MUSKETIERE (Frankreich). Ironisch kommentierte, aber mit eifrigem Ernst in Szene gesetzte Gevacolor-Ballade, in der, getreu der stark abgenutzten literarischen Vorlage, mit Eleganz geliebt, gefochten und intrigiert wird. (Pathé.)

MORGENGRAUEN (Deutschland). Ehe der bis zu dieser Szene schwarz-weiße Film plötzlich in Farbe ausbricht und der frühere deutsche Kampfflieger als Lufthansa-Pilot im blauen Himmel schwebt, ist in einer sprunghaften und krausen Heimkehrer-Geschichte gründlich nachgewiesen worden, daß die alten Frontschweine doch immer noch die anständigsten Menschen sind. Auch nach dem Kriege kann sie nichts am ritterlichen Einstehen für einander hindern. Ufa-Patriotismus mit völkerversöhnender Dreingabe, vom Regisseur Victor Tourjansky müde, wenn auch kunstgerecht verrührt. (Ariston.)

APRIL IN PARIS (USA). Dem filmbeliebten Triumph echt amerikanischer Lebens-, Gesangs- und Tanzfreude über vornehme Steife gewann dieses »Musical« eine neue, selbstironische Pointe ab. Es veralbert ausdauernd und präzise die Regierungsbürokratie Washingtons und die modische Paris-Romantik. Mit dem hübschen Schlager-Star Doris Day und dem charaktervoll grotesken Kautschuk-Tänzer Ray Bolger. (Warner Bros.)

DER ZIGEUNERBARON (Deutschland). Regisseur Rabenalt, Spezialist für ganz große Kasse, ging der Johann-Strauß-Operette mit Kodak-Farben, Raumton und Breitleinwand zu Leibe. Den Satz, erst in der Beschränkung zeige sich der Meister,

wandten die Konfektionäre dieses Films nur im Hinblick auf ihr Publikum an. Curt J. Braun gelang es, sogar die Dürftigkeit des Operetten-Librettos noch zu unterbieten. Beste darstellerische Leistung: die überflutete Donau. Das Auftreten Maria Theresias zum Happy-End krönt den Film zum Kaiserschmarren. (Berolina.)

MOGAMBO (USA). Raubkatzen und Gorillas, feindselige Negerstämme und ein weißer Tierfänger von gnadenlosem Sex-Appeal (Clark Gable) als etwa gleichwertige Gefahren im afrikanischen Busch. Ein Farbfilm, der Eifersuchtsdramatik, Naturkunde und Dialogwitz recht hübsch unter einen Hut bringt. (MGM.)

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