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Neu in Deutschland

aus DER SPIEGEL 28/1953

EIN MANN AUF DEM DRAHTSEIL (USA). Elia Kazan ("Endstation Sehnsucht") inszenierte nach einem realen Vorgang und nach einem schottischen Kurzroman die Flucht eines tschechischen Zirkus in die deutsche US-Zone. Großartig in nervöser Bedrücktheit und aus Verzweiflung geschöpfter Tatkraft: Frederic March als der enteignete, zum Manager seines Erbes degradierte Zirkusdirektor. Zarte Sadismen in der erotischen Nebenhandlung. Nach neuer Literatur-Gewohnheit leicht überdickte Angst- und Spitzelatmosphäre in der politischen Haupthandlung. Aber wohlgeglückte Momentaufnahmen des schäbig gewordenen Zirkusbetriebes, perfekte Spannung und das aktuellste aller Themen: der totalitär regierte Mensch, der sich der Machtmaschine nicht mehr widersetzen, sondern ihr bestenfalls entschlüpfen kann. (Centfox.)

DER KEUSCHE JOSEF (Deutschland). Der 65jährige Schwankspezialist Carl Boese inszeniert nach seinem Seitensprung in die Komödiennähe ("Der Onkel aus Amerika") wieder so krachend und ausgeleiert wie möglich, gestützt auf Arnold und Bachs »Unter Geschäftsaufsicht«. Mit Boeses Gattin, dem Grotesk-Backfisch Elena Luber, mit der Volksfilm-Verteranin Lucie Englisch, mit der uncharmant übervampten Renate Mannhardt, mit dem als Hauptdarsteller leicht verlegenen Chargen-Komiker Ludwig Schmitz und dem von Schwachsinnswogen verschlungenen Vollschauspieler Peter Mosbacher. (Algefa.)

DIE SCHÖNEN DER NACHT (Frankreich/Italien). Des Regie-Altmeisters René Clair graziöses, geistvolles, wenn auch zuweilen etwas langwieriges Traumspiel. Mit dem handfesten Ergebnis: Kein Jahrhundert ist besser als die anderen, und jede »gute alte Zeit« hat ihre üblen Seiten. Gérard Philipe als armer, allerorten ausgelachter Musiklehrer kehrt schlafend in verschiedenen Epochen und bei verschiedenen Schönen ein, deren Gesichter er aus seinem Alltag kennt. So ist Gina Lollobrigida mal als Kassiererin von heute und mal als nabelfreie Algiererin von 1850 zu verehren. Auch die anderen Damen wechseln immerfort ihre Kostüme. Sehr witzige Ausnutzung des Straßenlärms. (Franco-London-Film-Paris Paris und Riccoli-Rom.)

WEM DIE SONNE LACHT (USA). Des Vier-Oscar-Regisseurs John Ford behäbig-herzliche Demokratie-Vorlesung. Ein Südstaaten-Friedensrichter der Jahrhundertwende kämpft zwar mit allen Tricks für seine Wiederwahl, gefährdet aber der Gerechtigkeit zuliebe auch selbstlos die eigene Popularität, wenn er lynchgierigen Mitbürgern und pharisäischen Mitbürgerinnen die Stirn bietet. Leicht tränenselig, aber typengesegnet und humorgesättigt. (Republic Pictures.)

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