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Neu in Deutschland

aus DER SPIEGEL 45/1953

TAGEBUCH EINER VERLIEBTEN (Deutschland). Mit etwas mühsamem Charme und zeitbezogenen Dialogen ("Rosen sollte man züchten, wie Adenauer!") gebastelte Filmfassung des Tagebuch-Romans »Ich an mich« von Dinah Nelken. Maria Schell darf auch als abenteuer-entschlossene junge Frau vor der romantischen Kulisse des Lago Maggiore gelegentlich Seelchen-Innigkeit zeigen. O. W. Fischer belastet den leichtlebigen Gatten mit schauspielerischem Schwergewicht. (Magna-Film.)

HANS CHRISTIAN ANDERSEN UND DIE TÄNZERIN (USA). Das Technicolor-»Musical« versimpelt den dänischen Dichter und Schuhmacherssohn Hans Christian Andersen zum pausenlos phantasierenden Schuster. Von Andersens Märchen quetschte der Texter und Komponist Frank Loesser einige in karge Chansons und eins ließ der Choreograph Roland Petit zu einem mehr perfekten und pompösen als poetischen Ballett aufquellen. Viel Ausstattung - etwa ein liebes Zinnsoldaten-Kopenhagen - und wenig Handlung, trotz der vorgeführten Blitzkarriere Andersens und trotz seiner aussichtslosen Glut für die befriedigend vermählte Ballerina. Danny Kaye, der Spitzenkomiker Amerikas, begnügt sich als der herzensreine Märchendichter mit Lächeln, Wehmut und Gesang. (Samuel Goldwyn.)

WENN AM SONNTAGABEND DIE DORFMUSIK SPIELT (Deutschland). Heimatklischee mit schaurig verrutschten Farben, meistens verschwiemelten Umrissen und einigen Neuerungen: Statt Sonja Ziemann lächelt diesmal die feinere Ingeborg Körner in der Haupt- und (zeitweise auch) Trachtenrolle; Hans Stüwe, der vornehme Selbstmörder aus zwei Wald- und Wiesen-Filmen, wird diesmal gerettet, als er gerade Hand an sich zu legen wünscht, und der aus dem traditionellen Landstreichertrio wegen ernsterer Ambitionen ausgebrochene Hans Richter ließ sich durch Kurt Pratsch-Kaufmann ersetzen. Im wesentlichen: Schwarzwald-Tannen. (Berolina.)

ALS DU ABSCHIED NAHMST (USA). Stargesegnete und wohlgepflegte, hochpatriotische und tränenselige »Heimatfront«-Ballade aus dem zweiten Weltkrieg. Die tapferen Frauen, die »etwas tun«, zum Beispiel Verwundete pflegen, Urlauber aufheitern oder Altpapier sammeln, heben sich leuchtend von den Damen ab, die weiterhin nur Kleider, Essen und Amüsement im Kopf haben. Gleichermaßen natürlich und ausdrucksvoll: Claudette Colbert als wartende Kriegerfrau, Jennifer Jones als werdende Kriegerbraut und Joseph Cotten als der, versteht sich, uniformierte und ordensbestickte Hausfreund. Noch als liebe Halbwüchsige: Shirley Temple, inzwischen längst mehrfache Gattin und Mutter. (Selznick-Film.)

CHRISTINA (Deutschland). Als ebenso aparte wie starre Heimatvertriebene füttert Barbara Rütting fleißig Hühner und den Argwohn, sie habe den Bundesfilmpreis 1953 mehr ihrem sinnlich-herben, charaktervollen Gesicht als ihren Schauspielkünsten zu danken. Vom Flüchtlingsproblem ist höchstens scheinbar die Rede. Die mittellose, aber tugendreiche »Stütze« Christina siegt beim verschuldeten Mühlenbesitzerssohn (Lutz Moik) gegen dessen willenskräftige Mutter (Franziska Kinz) und dessen reiche, sanierbereite, nur leicht giftige Braut (Eva Rimski) nach den Urgesetzen der Bauernschmöker. (Fanal.)

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