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NEU IN DEUTSCHLAND

aus DER SPIEGEL 37/1955

Zweiter Teil 08/15 (Deutschland.) Die Leinwandfortsetzung des dreiteiligen Bestseller-Panoramas vom ewigen Kommiß in »Deutschlands Schicksalsjahren« 1939 bis 1945 spiegelt, getreu und stur, einen 08/15-Ausschnitt aus einem russischen Kriegswinter. Die unentwegten Ferkeleien, der auf wenige Floskeln und Schlagworte eingerostete Landserjargon und eine gut komponierte Typenpalette erzeugen einen beinahe riechbaren Kommißmief, an dem die Zuschauer je nach Mentalität teils wohlig, teils angewidert schnuppern. Ein einsames Sterben am Ende - ein russischer Panzer zerquetscht den früheren Selbstmordkandidaten Vierbein (Paul Bösiger) - zerstört die gefährlich nahe Illusion, der Krieg sei nur eine Fortsetzung der KdF-Politik mit anderen Mitteln gewesen. Von allen deutschen Filmen ums Feldgrau der primitivste und damit treffendste. Das Übermaß der Kraftausdrücke und Zoten allerdings führte zu einer internen Auseinandersetzung zwischen dem sonst nicht so zimperlichen Autor Hans Hellmut Kirst und der Produktionsfirma. (Divina.)

Svengali (England). Hildegard Knef als Malerbraut vom Montmartre, der ein dämonisch bärtiger Hypnotiseur Willenskraft und Gedächtnis entzieht und eine erlesene Singstimme aufzwingt - in einem allzu feierlichen und nur aus Versehen grotesken Gruselfilm. (George Minter.)

Oberwachtmeister Borck (Deutschland). In der Wiederverfilmung des »Oberwachtmeisters Schwenke«, der Geschichte von dem Polizeibeamten, der zwischen drei Damen gerät und verdächtigt wird, einen Rivalen brutal zerschlagen zu haben, ist unter der Regie von Gerhard Lamprecht die Kriminal-Logik etwas weniger solide ausgefallen als die Milieuschilderung und die Darstellung. Gerhard Riedmann hält sich achtbar als geprüfter Borck und Annemarie Düringer stellt ein bedrücktes und verschrecktes Mädchen überzeugend dar. (Algefa.)

Nana (Frankreich.) Martine Carol spielt Zolas Kurtisane Nana fern von Vamp- und Dämoniegetue als lustige, komisch-vulgäre Männerverzehrerin. Der schwelgerische Farbfilm unter der Regie von Christian-Jaque verklärt die Amüsierhölle Paris, die der Roman so bitter kritisiert, zum verlorenen Paradies der Sinne. (Roitfeld-Cigno.)

Die Toteninsel (Deutschland). Auf der Lepra-Station in der Südsee werden Ehen getrennt und erneuert - gesunde Gäste auf der »Toteninsel« lösen viele Einzeldramen und Konflikte aus. Der Film nach dem »Hör zu«-Roman Hans Ulrich Horsters - Regie Victor Tourjansky - ist durchweg effektreich, wenn auch manchmal theatralisch-schief. Karin Hardt, die nach langer Pause zum erstenmal wieder auftritt, übertrifft als abgeblühte, aussätzige, freundlich resignierte Fabrikantin in einer kleinen Rolle alle Mitspieler. (Unicorn.)

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