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Neu in Deutschland

aus DER SPIEGEL 42/1953

HEIMLICH, STILL UND LEISE (Deutschland). Flüchtig, aber flott bebildertes Paul-Lincke-Album. In dem auf Münchener Atelier-Boden erbauten Papp-Berlin hat Regisseur Hans Deppe die feinere Welt (Gretl Schörg und Hans Nielsen) und die Gesindestube (Theo Lingen und Ruth Nimbach) der Jahrhundertwende gleichermaßen ulkbeflissen aufgedreht. (HD-Film.)

DIE ZEIT MIT MONIKA (Schweden). Da es sich um den Ingmar-Bergman-Verismus ("Durst") handelt, begeht das pubertäre Ausreißer-Pärchen sein Liebeserwachen trotz vorgeschrittener Jahreszeit nicht ohne schwedisches Bad in den Schären. Das animalische Liebes- und Familienleben des Laufburschen mit Drang zum Höheren und der minderjährigen Grünkrämerin ist voll härener Freuden und Widrigkeiten, doch wird entschädigt, wer die bezaubernd ordinäre Monika (Harriet Andersson) abseits der Rolle zweckfrei zu genießen weiß. (Svensk.)

BRIEFTRÄGER MÜLLER (Deutschland). Daß Geld nur den Familienfrieden stört und dem Charakter schadet, wird an einem bislang armen, aber seelenfrohen Briefträger (Heinz Rühmann) dargetan, der, von einer Millionenerbschaft betroffen, dumm herumprotzt und sogar - aber in aller Unschuld - eine schwarzseidene Mätresse aushält. Rühmanns Kleiner-Mann-Charme behauptet sich staunenswert gegen die buntfarbene Ausstattungs- und Landschaftspracht (Bodensee und Italien), gegen die altbackene Komik und Moral der Geschichte und das immer wiederkehrende Leitmotiv: »Ja, wenn die gute alte Post nicht wär ...« Regie: der Hollywood-Regisseur John Reinhardt und nach dessen plötzlichem Tode während der Dreharbeiten Heinz Rühmann. Die Oberpostdirektion Hamburg dankte Rühmann für seinen Beitrag »zur Erhöhung des Ansehens der Bundespost« (Berolina.)

DIE LUSTIGE WITWE (USA). Bei ihrer dritten Leinwand-Metamorphose wanderte Franz Lehárs Tantiemen-Millionärin weiter westlich: Hollywood setzte als Grafen Danilo den Hazienda-Beau Fernando Lamas ein (letzter Rollenträger: Maurice Chevalier) und bewies damit erneut die amerikanische Ignoranz gegenüber europäischen Operetten - Aristokraten. Lana Turners Wespentaille und die unvermeidlichen, aber blendenden Cancans schaffen angenehmes Amüsement, das nur durch die hinterwäldlerische Gesangssynchronisation geschmälert wird. (MGM.)

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