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Neu in Deutschland

aus DER SPIEGEL 6/1954

O CANGACEIRO (Brasilien). Die Urballade vom guten Räuber und vom schönen Mädchen, längst als ein Muß-Bestandteil in Routine-Wildwestern verheizt, erfährt durch die unverbrauchten Bild- und Musikrhythmen, in den Gesichtern eines neu entdeckten Gangster-Reservoirs (der nordbrasilianischen Desperados) eine faszinierende Wiederbelebung. Einer der Filme, die man unter Hunderten nicht verwechseln kann. (C. C. Vera Cruz.)

DER GALANTE ABENTEURER (Frankreich). Schneller, (auch im Dialog) schlagfertiger Kriminalreißer um einige mondäne Supergangster und einen schon utopisch prachtvollen Sensationsreporter, der die schwerfällige, rechthaberische Polizei in jeder Hinsicht überrundet. Mit einem Rückenakt und mehreren charmanten Augenaufschlägen der Martine Carol. (Pathé-Consortium.)

EIN LEBEN FÜR DO (Deutschland). Unbehagliche Vater-Tochtér-Erotik, nach dem »Constanze«-Roman gleichen Namens, von Regisseur Gustav Ucicky kläglich in teure und schöne Außenaufnahmen (Schweiz und Afrika) eingepackt. Schon als dicke Elfjährige (Heidi Becker), erst recht aber

als ausgewachsenes Mädchen liebt Do (robust und damenhaft: Paola Loew) ihren »Daddy«, den deutschen Pflanzer in Afrika (Hans Söhnker), mit hektischer, andere Herren verbannender Glut, obschon sie erst kurz vor der glücklichen Lösung erfährt, daß sie nur dieses Daddys Pflegetochter ist. (Capitol.)

DIE JUNGFRAU AUF DEM DACH (USA). Drei deutsche Publikumslieblinge qualifizieren sich in der Rangfolge Johannes Heesters - Hannerl Matz - Hardy Krüger in einer mitunter gewalttätig schlagfertigen Broadway-Dialogkomödie um den amerikanischen Sex-Fimmel als unerwartet begabte, muntere Plauderer. Der bewußte Verzicht des Zwei-Versionen-Regisseurs Otto Preminger (SPIEGEL 27/1953) auf jede filmische Möglichkeit tut dem schon auf den meisten deutschen Bühnen unter dem Titel »Wolken sind überall« erprobten Vergnügen kaum Abbruch. (United Artists.)

KAMPF DER WELTEN (USA). H. G. Wells' utopischer Roman vom Raumschiff-Überfall der Mars-Menschen auf unseren Planeten, in trickreichem Technicolor und um die neuesten Atom- und sonstigen Waffen bereichert, zwischen technischer Denkaufgabe, pompöser Gruselei, religiösem Kitsch und unfreiwilliger Komik. (Paramount.)

LIEBENSWERTE FRAUEN? (Frankreich-Italien). Daß Frauen gerissen und gefühlsarm, oberflächlich und berechnend sind und deshalb den treuherzigen und gemütvollen Männern so überlegen, wird an den tragikomischen Amouren des jungen André (Daniel Gélin) und an seiner zweifelhaften Heirat dargetan. Die gallige Attacke auf nur scheinbar liebenswerte Frauen ist unter der Regie des Christian-Jacque zugleich eine strahlende Frauenparade (Edwige Feuillère, Danielle Darrieux und Martine Carol - mit ihrer unvermeidlichen Freikörperszene), die das Böse attraktiv und mit Nuancen bietet. (Roitfeld-Sirius.)

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