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Neu in Deutschland

aus DER SPIEGEL 1/1954

MIT SIEBZEHN BEGINNT DAS LEBEN (Deutschland). Von Paul Martin im Kammerspielton inszenierte, geschickt zwischen Rührung und Heiterkeit ausbalancierte Liebesgeschichte nach dem Roman »Der liebe Gott schläft« von Gabor v. Vaszary. Sonja Ziemann, entsüßt und mutig abgeschminkt, zeigt in der ersten Filmhälfte als verklemmte Vierzehnjährige ein überraschend neues, herbverhärmtes Frauengesicht und schickt sich routiniert in eine Rolle, mit der sie schauspielerisch überfordert ist. (Apollo-Film.)

MEIN LEBEN FÜR DIE LIEBE (Frankreich). Technicolor - Fortsetzung des schwarzweißen Sünderinnen-Erfolgs »Caroline Chérie«, wieder mit den eleganten Dialogen Jean Anouilhs und dem unbedeckten Busen der Martine Carol. (Gamma.)

STERNE ÜBER COLOMBO (Deutschland). Bei dem bisher teuersten deutschen Filmausflug (SPIEGEL 50/1953) landete Veit Harlans Kolossalschinken irgendwo zwischen Cecil B. Demille und Richard Eichberg. Die künstlerische Arbeit konzentrierte Harlan auf Dialoge, die im besten Harlanesisch sich etwa so anhören: Kristina Söderbaum: »Indien ist groß«. Adrian Hoven als junger Inderfürst: »Ja, vierhundert Millionen«. Söderbaum: »Und du bist einer von ihnen«. Bedeutungsvolles Schweigen. Aber Willy Birgel als Senior-Maharadscha, eingedunkelt, mit Turban, Sanskrit murmelnd, ist von jedem Standpunkt aus sehenswert. (Diana.)

GEFÄHRLICHER URLAUB (England). Dem Regisseur Carol Reed ("Der Dritte Mann") glückte das Vorhaben, mit diesem Film »keine Politik, sondern eine reine Abenteuer-Story« zu machen. Die Spannungen der Berlin-Atmosphäre entladen sich hier (nach einem Zeitungsroman des Westberliner Justizpressestellenleiters Walter Ebert) in einer kolportagehaften, im Trümmermilieu des Tiergartenviertels angesiedelten Menschenraubaffäre. Die gewerbsmäßigen Kidnapper vom östlichen Geheimdienst werden als konfuse Dilettanten charakterisiert, die statt einer zwielichtigen Berlinerin (Hildegard Knef) eine britische Staatsangehörige (Claire Bloom) entführen. Wie immer bei Reed als Haupttrumpf ausgespielt: die obligate Menschenjagd, hier über Baugerüste, Ruinenblocks und Häuserdächer. (London-Film.)

GESPRENGTE GITTER (Deutschland). Der 106. Film des »Sensationsdarstellers« Harry Piel: noch während des Krieges gedreht, doch wegen der panikfördernden Schlußeffekte - Ausbruch von Löwen und Elefanten beim Luftangriff - damals verboten, später als Beute nach Moskau geraten und jetzt von dort dem Produzenten, Regisseur und Star Piel wieder zurückerstattet. Lustige, dramatische Tieraufnahmen, primitive, wirre Menschen-Szenen. (Ariel-Film.)

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