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Neu in Deutschland

aus DER SPIEGEL 12/1954

Friedrich Herzfeld: MAGIE DES TAKTSTOCKS. Der Verfasser einer hymnisch feiernden Furtwängler-Biographie leitet durch »Die Welt der großen Dirigenten, Konzerte und Orchester« im Fremdenführer-Stil. Er ist unkontrolliert, oft grotesk im Ausdruck ("Die wild herumschwingenden Armbewegungen erschlagen das zarte Keimen des Melodischen") und verblüfft durch flott hingeworfene Behauptungen (die »zahllosen Taktwechsel... etwa bei Strawinski...: niemandem bereiten sie sonderliche Schwierigkeiten"). Das Ganze läßt immer wieder den Standpunkt des Furtwängler-Byzantiners erkennen: »Die Technik des Dirigierens muß ganz dem Ausdruck dienen, es muß selber Ausdruck sein.« - Von dem Buche gilt, was Herzfeld von Celibidache sagt: »Manches an ihm will uns schwer eingehen.« (Ullstein - Verlag, Berlin. 207 Seiten, 12,80 Mark.)

Raymond Aron: DER PERMANENTE KRIEG. Gründliche Analyse der durch den Kalten Krieg heraufbeschworenen Weltlage. Der Autor, Leitartikler des Pariser »Figaro«, ist skeptisch hinsichtlich der Integration Europas, aber optimistisch hinsichtlich gemeinsamer militärischer Anstrengungen. Er zeigt die Grenzen, die einer inneren Umwandlung des Sowjet-Bolschewismus nach westlichem Ermessen gesetzt sind. Aron weist sich mit diesem Buch als einer der wenigen aus, die ihren Lehrstuhl für Politik zu Recht innehaben. (S. Fischer Verlag, Frankfurt. 544 Seiten, 17,50 Mark.)

Wladimir Petrow: SOWJETGOLD. Der russische Autor, jetzt Professor an der Yale Universität in den USA, wurde 1935 als junger Student in Leningrad verhaftet und zu sechs Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Sein Buch ist ein realistischer Bericht über das Sträflingsleben und -sterben in den Goldminen Sibiriens, deren Jahresförderung die amerikanische Goldgewinnung um das Dreifache übertrifft. Petrows Erlebnisse stimmen im wesentlichen mit den Schilderungen deutscher Kriegsgefangener überein. (Holzner-Verlag, Kitzingen/Main. 140 Seiten, 4,80 Mark.)

Milo Dor, Reinhard Federmann: DER UNTERIRDISCHE STROM und UND EINER FOLGT DEM ANDERN. Der junge deutschschreibende Exil-Jugoslawe Milo Dor, heftig diskutierter Autor von »Tote auf Urlaub«, hat sich mit dem Wiener Schriftsteller Reinhard Federmann zu einem Zwei-Mann-Team zusammengetan. Die Studie »Der unterirdische Strom": Mitteilung und Deutung einer Reihe von Träumen gleichen Grundcharakters. Bestimmend für die Auswahl war die Absicht des Verfassers: nachzuweisen, daß die latente Bedrohung des Menschen in dieser, durch diese Zeit ihren beklemmenden Ausdruck findet in der Chiffren-Sprache ihres Traumbild-Szenariums. Die Arbeit ist ein akzeptabler, bewußt einseitiger diagnostischer Versuch. - »Und einer folgt dem andern« ist ein Zwitter-Fabrikat: Kriminal-Roman und Travestie eines Kriminalromans. Wohlfeiler Zynismus, als Witz kostümiert. (Frankfurter Verlagsanstalt, Reihe studio frankfurt. 64 Seiten, 3,60 Mark, und Nest-Verlag, Nürnberg. 280 Seiten, 6,80 Mark.)

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