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NEU IN DEUTSCHLAND

aus DER SPIEGEL 47/1955

Himmel ohne Sterne (Deutschland). Versuch einer deutschen Tragödie, die in einem konformistischen Zeitalter gehorsamer, politisch desinteressierter Massen leicht exaltiert erscheinen muß: Regisseur Helmut Käutner läßt ein West-Ost-Liebespaar »im Niemandsland zwischen Amerika und Asien« und »im Feuer von hüben und drüben« krepieren. Käutners Bestreben, einerseits mit reportagehaften Stimmungsbildern, Typen und Wortmünzen, andererseits aber mit einem anklagenden Symbolismus das zweigeteilte deutsche Schicksal in trägen Kinobesuchern wachzurütteln, verstärkt das Dilemma. Ein unpolitischer Gewinn ist die Befreiung Georg Thomallas aus dem Klischee des kichernden Spaßmachers. (NDF.)

Der letzte Mann (Deutschland). Ohne »Anliegen« und ohne »Aussage«, und mit dem, was man hierzulande eine leichte Hand nennt, inszenierte Harald Braun das alte Jannings-Melodrama vom Chefkellner in der Herrentoilette als gefällige Abendunterhaltung. Es wird maßvoll geweint (von Romy Schneider, die laut Verleihankündigung hier »das erste reizvolle Stadium eines Liebesfrühlings« durchbummelt), männlich gelitten (von einem entkrampften Hans Albers) und ein bißchen geliebt und intrigiert. Ein Film, dessen Wohlgeratenheit milde langweilt. (NDF.)

Das Geheimnis des Marcelino (Spanien). Das kurze Leben eines Findelkindes in der Obhut von Franziskanermönchen. Christus am Kreuz nimmt von dem fünfjährigen Jungen Brot und Wein und spricht zu ihm - der heikle, mehrfach wiederholte Vorgang wirkt hier weder lästerlich noch süßlich. Die Legende hat ihren eigenen, heiterfrommen, naiv poetischen Filmstil gefunden. (Super-Charmartin-Produktion.)

Die Barrings (Deutschland). William von Simpsons ostpreußischer Familienroman »Die Barrings« bot mit einer unseligen Ehe und dem Verfall eines Gutes zwar keine Filmhandlung, statt dessen aber einen teuren Rahmen für die Heimkehr Dieter Borsches aus französischen in deutsche Ateliers: Er spielt wieder, wie früher, den korrekten und gehemmten, dennoch leidenschaftlichen Edelmann. Überraschend, wie die ehemalige Schönheitskönigin Nadja Tiller ihre Rolle einer gierigen und harten Frau bewältigt. (Roxy.)

Die jungfräuliche Königin (USA). Elisabeth I. von England liegt im Bett, während sie den Walter Raleigh (Richard Todd) mit dem Schwert adelt, und stellt dem hübschen, spröden Seehelden in spe auch sonst brutal und zähe nach. Nur Bette Davis als die Königin, mit einschüchternder Halbglatze und verkniffenen, zerlaugten Alterszügen, macht den einfältigen Historien-Pomp momentweise erträglich. (Centfox.)

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